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Börsen-Zeitung: Eine höhere Liga, Kommentar zu Bundesliga-Medienrechten von Joachim Herr

Frankfurt (ots) - Drei Tage vor dem ersten EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft ist für Fußballfreunde eine wichtige Entscheidung gefallen: An ihrer TV-Taktik müssen kickerbegeisterte Fernsehzuschauer kaum etwas ändern. Dafür sorgt die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit der Vergabe der Medienrechte für die vier Spielzeiten ab 2017/18. Wer ein Sky-Abo hat, kann weiterhin fast alle Partien der ersten Liga live am Bildschirm verfolgen - mit Ausnahme des Freitagabendspiels, das sich Eurosport schnappt. Und wem die Flimmerkiste nicht mehr als den Rundfunkbeitrag wert ist und wem die Zusammenfassungen genügen, schaltet wie bisher die Sportschau in der ARD ein und das Sportstudio im ZDF.

Gewaltig aber verändert sich das Preisniveau: Es steigt in eine höhere Liga auf. Die nationalen Rechte verteuern sich um 85%. Einschließlich der internationalen Vermarktung erwartet die DFL von 2020 an mehr als 1,5 Mrd. Euro. Das wäre mehr als das Doppelte wie bisher.

Die 36 Vereine in der ersten und zweiten Liga können sich die Hände reiben. Die Begeisterung von FC-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht für sich. Wann ist er schon einmal zufrieden? Freilich, die englische Premier League spielt noch eine Klasse weiter oben. 2,3 Mrd. Euro gibt es dort in der Saison allein für die nationalen Medienrechte. Immerhin erreicht die DFL mit zunächst mindestens 1,4 Mrd. Euro ihre Zielspanne fast am oberen Ende.

Über die Verteilung dieses Batzens auf die Vereine entscheidet der Ligavorstand in der kommenden Saison. Unterschiedliche Interessen stehen sich gegenüber. So pochen sechs Traditionsklubs wie Werder, die Eintracht und der HSV darauf, dass ihr Marktwert berücksichtigt wird. Der FC Bayern dringt auf mehr Eigenständigkeit in der Vermarktung. Kein Wunder, dass Ligapräsident Reinhard Rauball schon jetzt mahnt, eine möglichst einvernehmliche Lösung zu finden. Der Bezahlsender Sky Deutschland rettet mit der Rechtevergabe mal wieder sein Geschäftsmodell - bis zur nächsten Auktion in vier Jahren. Die Auflage des Bundeskartellamts für mehr Konkurrenz bedeutet kaum Einschnitte am Live-Programm von Sky. Vereine, Medien und der Wettbewerb - auf den ersten Blick nur Sieger, wohin man schaut. Die teure Rechnung wird also der Zuschauer bezahlen. Sky muss die Abopreise erhöhen, um nicht ewig und wie in den vergangenen 25 Jahren in der Verlustzone stecken zu bleiben. Auch der Rundfunkbeitrag wird irgendwann wieder steigen. So läuft das Spiel nun mal.

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