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Börsen-Zeitung: Späte Scheidung, Kommentar zu Novartis/Roche von Daniel Zulauf

Frankfurt (ots) - Die Idee einer Elefantenhochzeit in der Pharmabranche zu Basel stand von Beginn an unter einem schlechten Stern. Der einst fast übermächtig scheinende Schweizer Finanzinvestor Martin Ebner glaubte, die stolzen Erben der Roche-Gründer aus dem Konzept bringen zu können, als er in den neunziger Jahren, in einer Schwächephase des Pharmakonzerns, mit dem Aufkauf eines großen Paketes von stimmberechtigten Inhaberaktien begann. Die Mehrheitsaktionäre zeigten sich unbeirrt und ließen den Raider ohne viel Aufhebens ins Abseits laufen. Das Platzen der Börsenblase um 2001 trug das seine dazu bei, dass Ebner die Waffen streckte, um seine Beteiligung dem Meistbietenden anzubieten.

Damals befanden sich der Roche-Wettbewerber Novartis und dessen allmächtiger Chef Daniel Vasella in einem Hoch und übernahmen das Roche-Paket. Sie wollten ihrerseits den großen Deal am Rheinknie erzwingen. Doch Roche fasste wieder Tritt und ließ auch Vasella und dessen Novartis ins Leere laufen. Inzwischen haben sich die Vorzeichen in Basel wieder zugunsten von Roche geändert. Der Familienkonzern befindet sich trotz zunehmend schwieriger Marktbedingungen in Hochform, während Novartis an verschiedenen Fronten mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat. Ob Novartis seine Roche-Beteiligung nun tatsächlich verkaufen will, ist vorerst zwar Spekulation. Überraschend aber käme die endgültige Scheidung nicht. Für den aktuellen Novartis-Präsidenten Jörg Reinhardt würde sie jedenfalls keinen Gesichtsverlust mehr bedeuten. Dem nach Umsatz immer noch größeren der beiden Schweizer Pharmagiganten käme das Geld aus dem Familiensilber durchaus nicht ungelegen. Um die Ausschüttung der diesjährigen Dividende und den Aktienrückkauf finanzieren zu können, musste Novartis jüngst auf die Substanz zurückgreifen. Der Cash-flow reichte nicht aus, um das 12 Mrd. Dollar schwere Paket zugunsten der Aktionäre zu finanzieren. Als Folge davon sind die Nettoschulden von Novartis jüngst wieder angestiegen, auf rund 23 Mrd. sfr.

Was aber würde Novartis mit dem Erlös aus einem möglichen Verkauf des Roche-Anteils tun? Das Unternehmen würde ein Zeichen der Stärke und des Selbstbewusstseins aussenden, wenn es die Mittel zur Stärkung der eigenen Bilanz einsetzen oder Zukäufe erwägen würde. Umgekehrt wäre eine weitgehende Ausschüttung wohl ein Schwächezeichen. Man könnte es dann als Eingeständnis interpretieren, dass Novartis selber keine bessere Verwendung für das Geld sähe.

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