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Börsen-Zeitung: Auf Tauchstation, Kommentar zur Verfassung der Finanzmärkte von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - Die Kapital- und Rohstoffmärkte sind zur Wochenmitte auf Tauchstation gegangen. In Anbetracht der Häufigkeit der Marktturbulenzen in diesem doch noch recht jungen Handelsjahr 2016 könnte man fast schon hinzufügen: Und täglich grüßt das Murmeltier.

Die Märkte sind gestern von den selben Faktoren erschüttert worden, die schon in den vergangenen Tagen mehrfach für Verunsicherung gesorgt haben. Der Ölpreis sackt immer weiter ab und hat nun auch noch die Marke von 28 Dollar unterschritten. In diesem Jahr haben die Ölsorten, ob nun Brent oder West Texas Intermediate, rund ein Viertel ihres Wertes eingebüßt. Die noch vor einigen Wochen von manchen mit einem Schmunzeln aufgenommene Prognose von 20 oder weniger Dollar könnte bald Realität werden. Mit dem Abrutschen des Ölpreises und der Schwäche der Industriemetalle geraten die Rohstoffwährungen immer weiter unter Druck. Denn die Haushalte der Rohstoffländer werden immer stärker in Mitleidenschaft gezogen. Der russische Rubel fiel gestern auf ein Rekordtief. Andere Währungen wie der kanadische Dollar befinden sich auf mehrjährigen Tiefs.

Hinter der Ölpreisschwäche steht einerseits das enorme Überangebot auf dem Ölmarkt, das nun nach der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran noch verstärkt werden könnte. Sie ist andererseits Ausdruck der Sorge vor einem deutlichen Abgleiten der chinesischen Konjunktur. Makrodaten aus dem Reich der Mitte, die an den Märkten als weniger robust angesehen werden, werden wohl noch so manches Börsenbeben auslösen. Die Aktien befinden sich infolge der China-Sorgen seit Jahresbeginn fast kontinuierlich im Sinkflug.

In dieser Phase der verstärkten Marktunsicherheit steuern die Anleger wieder die sicheren Häfen an. Gold ist gefragt, vor allem aber wandern die Gelder in Bundesanleihen und andere als sicher angesehene Papiere, wozu mittlerweile auch Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Bereich gehören. Der Bund-Future ist seit Jahresanfang auf Klettertour, und gestern stellte er denn auch noch seinen im April vorigen Jahres aufgestellten Rekord ein. So viel zu dem Thema, dass die höheren Leitzinsen in den USA auch in der Eurozone zu höheren Renditen führen werden. Bislang ist das weit und breit nicht zu sehen. Im Gegenteil: Es geht immer weiter nach unten. Bis sechs Jahre Laufzeit sind die Bundrenditen nun wieder negativ. Siebenjahrespapiere befinden sich an der Nulllinie. Was der Rentenmarkt damit an Vorzeichen für die Konjunkturentwicklung abgibt, ist mehr als nur besorgniserregend.

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