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Börsen-Zeitung: Der große Wurf, Kommentar zu einer Fusion von Dow Chemical und DuPont von Sabine Wadewitz

Frankfurt (ots) - Zwei amerikanische Industrieikonen planen den Schulterschluss. Die von aktivistischen Investoren getriebenen Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont, zusammen 330 Jahre alt, geben offensichtlich den schrittweisen Portfolioumbau auf und wagen den großen Wurf. Nach einem Merger of Equals im ersten Schritt sollen die Aktivitäten in drei Bereiche aufgespalten werden mit separaten Einheiten für Pflanzenschutz, Spezialchemie sowie Materialien/Kunststoffe. Damit würden die BASF-Konkurrenten auf einen Streich eine Restrukturierung auf den Weg bringen, aus der drei neue starke Spieler im Markt an den Start gehen.

Aus der Fusion würde zunächst ein Branchengigant erwachsen. Beide Parteien sind trotz der unterschiedlichen Größe des Geschäfts beim Marktwert mit jeweils 60 Mrd. Dollar auf Augenhöhe. Dabei hat die kleinere DuPont im laufenden Jahr an der Börse Federn lassen müssen. Der neue Konzernchef Edward Breen, der die langjährige Chefin Ellen Kullman ablöste, nachdem Board-Ambitionen der Aktivisten abgeschmettert wurden, hat den Investoren Transaktionen versprochen. Der Mann, der das Industriekonglomerat Tyco erst rettete und dann aufspaltete, gilt als Restrukturierungsprofi, so dass die Erwartungen nach seinem Amtsantritt hochgesteckt sind - und er scheint zu liefern.

Dow dagegen, wo der Aktivist Daniel Loeb auf den Putz haut, konnte den Aktienkurs im laufenden Jahr immerhin zweistellig steigern. Branchenurgestein Andrew Liveris, seit fast 40 Jahren im Unternehmen, hat seit einigen Jahren den Konzernumbau auf der Agenda und eine Neuausrichtung angekündigt, bei der man am Ende das Wort "Chemical" aus dem Firmenlogo wird streichen können. Er scheint ins Ziel zu kommen.

Die Motivation zum Merger dürfte von den jüngsten Annäherungsversuchen im Agrarchemiegeschäft beschleunigt worden sein. Nachdem der Gentechnikkonzern Monsanto beim Schweizer Pflanzenschutzprimus Syngenta abermals abblitzte, werden die unterschiedlichsten Kreuzungen in dem hoch konsolidierten lukrativen Agromarkt gespielt. Gemeinsam würden Dow und DuPont vorbei an BASF auf Platz 3 aufrücken und die Karten neu mischen.

Die großen Spieler im Markt sind seit langem bestrebt, ihr Geschäft in die höhermargige Spezialchemie zu entwickeln und sich von konjunkturellen Schwankungen abzukoppeln. Größe steht damit nicht allein im Vordergrund, sondern Spezialisierung auf attraktive Marktsegmente. Dow und DuPont könnte beides gelingen.

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