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Börsen-Zeitung: Filmreif, Kommentar zu SAP von Stefan Paravicini

Frankfurt (ots) - Leonardo DiCaprio hat gestern nicht in Walldorf angerufen, um sich die Rechte für die Verfilmung der aktuellen Unternehmensentwicklung von SAP zu sichern. Der Hollywood-Star hat stattdessen zusammen mit Paramount Pictures die Filmrechte für ein geplantes Buch über den Manipulationsskandal rund um die Abgaswerte der Dieselmotoren von Volkswagen gekauft. Über die Besetzung des Spitzenpersonals von VW in dem Streifen darf ab sofort spekuliert werden. "In der Rolle des Wiko sehen Sie Leonardo DiCaprio" klingt verlockend, ist aber eher unwahrscheinlich.

SAP präsentierte sich ihren Investoren ebenfalls filmreif, die ziemlich einseitige Erfolgsstory des Softwarekonzerns im dritten Quartal würde allerdings jeden ernst zu nehmenden Schauspieler, der etwas auf sein dramatisches Talent gibt, völlig unterfordern. Denn dem europäischen Branchenprimus gelang eine Performance, die die Marktbeobachter durch die Bank positiv überraschte. Der Gesamtumsatz lag über den Erwartungen, das Wachstum im Zukunftsgeschäft mit Software aus der sogenannten Cloud büßte nichts von seiner Dynamik ein, und der Verkauf von Softwarelizenzen, der gerade wegen der Verschiebung in ebendiese Cloud schon seit längerem unter Druck steht, überraschte ebenfalls positiv.

Die entscheidende Passage im Drehbuch zur SAP-Doku-Soap ist indessen die Erläuterung zur operativen Marge, die wegen des Umbaus zu einer "Cloud Company" zuletzt gelitten hat. Sie lag im dritten Quartal deutlich über dem Vergleichswert des Vorjahres und außerdem klar über den gemittelten Erwartungen von Analysten. Nur einer von zwei Dutzend professionellen Beobachtern des Unternehmens, die ihre Schätzungen zu den Quartalszahlen von SAP zuvor beim Informationsdienst Vara Research abgegeben hatten, lag mit seinen Erwartungen über dem berichteten Wert.

Was den Investoren in der letzten Staffel noch wie ein waghalsiger Actionstunt mit offenem Ende erschienen war - der Sprung in die Cloud mit fünf Milliardenübernahmen in knapp drei Jahren -, wirkt jetzt wie eine Liebesgeschichte von Rosamunde Pilcher: Klar kommen die beiden Protagonisten am Ende zusammen; SAP und die Cloud, das kann doch eigentlich nur gut gehen. Doch auch wenn SAP für einen Skandalstreifen derzeit nichts hergibt, für einen zünftigen Thriller reicht manchmal schon ein neuer Wettbewerber wie Amazon, der sein Angebot in der Cloud gerade um Analysefähigkeiten erweitert hat, die auch für Kunden von SAP interessant sind.

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