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Börsen-Zeitung: Jetzt geht's los, Kommentar zum Markt für Börsengänge von Walther Becker

Frankfurt (ots) - Der Sommer war ruhig, arg ruhig. Doch nicht alle Investmentbanker haben die Sonne genossen, der ein oder andere hat seinen Urlaub den Börsengängen im Herbst opfern müssen. Mehr als 50 Initial Public Offerings (IPOs) sind europaweit in Vorbereitung, einige stehen Gewehr bei Fuß. Wenn da nicht die mit dem Crash in China stark gestiegene Volatilität wäre, der Feind jeder Transaktionssicherheit, auf die es bei IPOs vor allem ankommt. Denn niemand will einen angekündigten Deal platzen lassen. Insofern fällt die finale Entscheidung jeweils auf den allerletzten Drücker, bevor die sogenannte Intention to Float herausgeht. Mit dieser offiziellen Ankündigung beginnt der zweistufige Prozess, bei dem die Bücher in der zweiten Hälfte auf zwei Wochen geöffnet sind. Wer heute einen Börsengang ankündigt, ist mit Investoren so weit im Gespräch, dass das Orderbuch möglichst einmal gefüllt ist - unverbindlich.

Die viel zitierte Pipeline potenzieller deutscher Emittenten sieht zum Ende der Sommerpause gut aus, auch wenn es keinen "heißen" Herbst geben muss. Das jetzt geöffnete Fenster könnte schon sehr rasch Covestro nutzen, die Kunststoffsparte von Bayer. Hier soll es um eine Größenordnung von geschätzt 2,5 Mrd. Euro gehen, bei einer Marktkapitalisierung von etwa 11 Mrd. Euro. Covestro hat mit der avisierten Umplatzierung das Zeug, zum größten IPO zu werden, seit die Deutsche Post vor 15 Jahren mit 5,8 Mrd. Euro teilprivatisiert wurde. Legt der Supertanker aus Leverkusen ab, dürften in seinem Fahrwasser weitere Kandidaten die Anker lichten. Ganz maritim sicherlich die Containerreederei Hapag-Lloyd, deren Bewertung auf bis zu 5 Mrd. Euro taxiert wird, mit einer Kapitalerhöhung und Umplatzierung. Auch das auf Autos und Immobilien ausgerichtete Onlineanzeigenportal Scout24, dessen Bewertung auf mehr als 3,5 Mrd. Euro veranschlagt wird und wo zwei Finanzinvestoren sowie die Deutsche Telekom Kasse machen wollen, ist so weit. Ebenso muss der Lkw-Zulieferer Jost-Werke nur mehr den Startknopf drücken.

Derzeit gibt es auffällig wenige Prozesse, für die parallel ein Verkauf vorbereitet wird. Im Fall der Pfandbriefbank ging der "dual track" zugunsten des Kapitalmarktes aus, bei der Drogeriekette Douglas kam in letzter Minute Finanzinvestor CVC mit dickem Scheck um die Ecke, den die Altgesellschafter nicht ausschlagen konnten. Mit dem China-Crash wurden die Bewertungen zwar markant reduziert, sechs Monate Kurssteigerungen sind verdampft. Aber das Niveau ist immer noch attraktiv. Da sollten mit der vorhandenen Liquidität das Angebot an neuen Aktien und die Nachfrage zusammenkommen. Jetzt geht's los!

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