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Börsen-Zeitung: Holperstrecke, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann

Frankfurt (ots) - Chinas neue Einkaufsmanagerdaten haben den nächsten Wackler an den Aktienmärkten ausgelöst. In den vergangenen Wochen waren vor allem Einbrüche an Chinas Börsen sowie eine Abwertung des Yuan die Verursacher von Panikwellen an den Weltfinanzmärkten. Nun sind es reale Wirtschaftsdaten an denen sich die China-Ängste festmachen. Dabei muss man aber nüchtern feststellen, dass die Einkaufsmanagerindizes für August zwar eine Schwächeperiode in der chinesischen Industrie und auch Dynamikverluste im Dienstleistungssektor signalisieren, aber keineswegs so verheerend ausgefallen sind, wie bisweilen dargestellt.

Derzeit werden die Prognosen für Chinas Wirtschaftswachstum stark nach unten korrigiert. Dies liegt nicht nur an den eingetrübten Erwartungen im Industriesektor, sondern auch an Effekten, die vom Aktienmarkt ausgehen. Ein bis Juni währender Börsen- und Finanzdienstleistungsboom dürfte das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten sechs Monaten zunächst um bis zu 1,3 Prozentpunkte nach oben befördert haben. Nur so kam man in den ersten beiden Quartalen auf die dem offiziellen Ziel entsprechende Wachstumsmarke von 7%. Der Börsencrash und seine Folgen für die Finanzsektoraktivität dürften in der zweiten Jahreshälfte etwa einen halben Prozentpunkt beim Wachstum kosten. Chinas Börsen tragen so zu einer verzerrten Optik bei: Bislang hat man die Schleifspuren des strukturellen Anpassungsprozess, der vor allem die traditionelle Schwerindustrie zurückwirft, etwas unterschätzt, nun werden sie überdeutlich.

Man muss sich darauf gefasst machen, dass das Wirtschaftswachstum zumindest im dritten Quartal weit unter die Sieben-Prozent-Marke sackt und zwar unabhängig von den immer größeren geldpolitischen und fiskalischen Impulsen, mit denen Peking gegensteuert. Auch sollte man es nicht als Katastrophe verstehen, wenn Chinas Wirtschaftswachstum für das Gesamtjahr etwas nachlässt. Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde erklärt zur chinesischen Konjunkturabkühlung, dass der Übergang zu einer stärker marktbasierten Wirtschaft so komplex ist, dass der Weg dahin auch ein wenig "holprig" verlaufen kann. Zweifelsohne eine treffende Analyse. Chinas Wirtschaft ist nun eben an einem besonders holprigen Abschnitt angelangt, aber noch weit davon entfernt, auf eine harte Landung zuzusteuern. An den Märkten muss man noch lernen mit Schlaglöchern auf Chinas Reformstrecke etwas gelassener umzugehen.

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