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Börsen-Zeitung: Flaute wegen Griechenland, Kommentar zum deutschen IPO-Markt von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Da sage noch einer, die sich immer weiter verschärfende Griechenland-Krise habe kaum Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Zumindest was den deutschen Markt für Initial Public Offerings (IPO) betrifft, sieht es schlecht aus: Es droht zumindest kurzfristig ein echter Kahlschlag. Reihenweise sagen derzeit Börsenkandidaten ihren Sprung aufs Parkett ab. Zu diesen zählen der Modehändler CBR, der Berliner Wohnimmobilien-Investor Ado Properties und die Deutsche Pfandbriefbank. Chorus Clean Energy hat die Erstnotierung von diesem Freitag auf den 13.Juli verschoben. Nur Elumeo will geht mit halber Kraft an die Börse.

Damit haben sich die Perspektiven für den deutschen IPO-Markt eingetrübt, auch wenn Banken und Berater weiter Optimismus ausstrahlen. Dass es ausgehend von den 19 Börsengängen im vergangenen Jahr 2015 zu einer nennenswerten Belebung kommt, ist zweifelhaft geworden. Letztlich wird es davon abhängen, wie lange die Spitzenpolitiker der Eurozone noch brauchen, bis sie sich im griechischen Schuldenstreit zu einer für alle Seiten tragfähigen Lösung durchringen.

Ein Blick über die deutschen Grenzen zeigt indes Erstaunliches: In anderen europäischen Ländern ist man mutiger - sogar in Peripherieländern wie Spanien. Am Mittwoch hat sich dort die baskische Telefongesellschaft Euskatel erfolgreich an die Börse gewagt.

Dies lässt vermuten, dass neben den Griechenland-Ängsten strukturelle Probleme den deutschen IPO-Markt am Boden halten. Darauf deuten auch Marktdaten hin: In Europas bedeutendster Volkswirtschaft fanden im ersten Halbjahr gerade einmal 9% aller europäischen Börsengänge statt.

Dass hierzulande bei Börsengängen sehr schnell der Stöpsel gezogen wird, hat unter anderem damit zu tun, dass oft reife Gesellschaften an die Börse gebracht werden. Bei diesen Transaktionen wollen Familienaktionäre, Private Equity oder sonstige Finanzinvestoren hohe Summen herausschlagen und überreizen daher leicht. In den USA hingegen sehen kleinere und jüngere Firmen den Börsengang mehr als eine Eintrittskarte - in der Überzeugung, dass die Gründer in weiteren Platzierungen auf ihre Kosten kommen, wenn der Auftakt eher verhalten lief. Auch in vielerlei anderer Hinsicht präsentiert sich der deutsche IPO-Markt deutlich rigider als beispielsweise der amerikanische.

Derzeit ist in Europa der Ruf nach Strukturreformen en vogue. Hier ist ein Bereich, wo sie wirklich vonnöten sind.

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