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Börsen-Zeitung: Aus der Defensive, Kommentar zur Fusion von Ahold und Delhaize von Annette Becker

Frankfurt (ots) - Größe, Größe, Größe. Das Mantra, das seit jeher im Handel gilt, findet seinen Niederschlag im Zusammenschluss der Handelsketten Ahold und Delhaize. Es ist bereits der zweite Anlauf binnen zehn Jahren, den die Holländer mit den Belgiern unternehmen. Das allein spricht Bände. Mit einem kombinierten Umsatz von 54 Mrd. Euro schiebt sich der neu entstehende Konzern unter die Top 20 der Branche.

Die Fusion hat eindeutig defensiven Charakter, ist sie doch in erster Linie als Antwort auf den scharfen Wettbewerb zu verstehen. Gerade in den USA, wo beide Händler das Gros ihrer Erlöse erwirtschaften, bläst ein harscher Wettbewerbswind. Und zumindest in seinem Heimatmarkt versteht Branchenprimus Wal-Mart sein Terrain zu verteidigen. Hinzu kommt der zunehmende Preis- und Margendruck seitens der Discounter - vorneweg Aldi und Lidl -, denen kaum Paroli zu bieten ist. Das bekommt gerade Tesco, weltweit die Nummer 2, im britischen Heimatmarkt zu spüren. Die Kosten lassen sich gar nicht so schnell senken, wie die Billiganbieter ihre Ladenpreise in den Keller schicken.

Auch die digitale Revolution, die den Handel seit geraumer Zeit aufmischt, spielt eine Rolle. Zwar ist der Online-Handel mit Lebensmitteln noch nicht so weit verbreitet wie beispielsweise der mit Unterhaltungselektronik oder Büchern. Doch ist allen Händlern klar, dass der Kunde dort abgeholt werden muss, wo er einkaufen will - sei es zu Hause, mobil oder im Laden. Ganz zu schweigen von der gewachsenen Preissensitivität der Kundschaft, lange Zeit ein hauptsächlich deutsches Phänomen.

In dieser Gemengelage ist entscheidend, die Kräfte im Einkauf zu bündeln. Denn nur über niedrigere Einstandspreise - deren Voraussetzung Größe ist - und Einschnitte ins Kostenkorsett lassen sich im Handel heute noch höhere Margen erzielen. Nicht ohne Grund kündigte Rewe - die hiesige Nummer 2 im Lebensmitteleinzelhandel - erst in der Vorwoche eine Einkaufsallianz mit der französischen Leclerc an. Diese war, nebenbei bemerkt, erst Anfang des Jahres eine Einkaufsgemeinschaft mit Delhaize eingegangen. Den ersten großen Schritt in diese Richtung war Metro im vorigen Herbst mit Auchan gegangen.

Der defensive Charakter der Transaktion wird nicht zuletzt durch das ausgerufene Synergiepotenzial belegt: 500 Mill. Euro sollen binnen drei Jahren nach der Fusion gehoben sein - wohlgemerkt on top zu den laufenden Effizienzprogrammen. Von Mehrumsatz und Wachstum ist dagegen keine Rede.

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