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Börsen-Zeitung: Tollhaus, Kommentar zur BHF-Bank von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) - Vergnügungssteuer müssen die verbliebenen 1100 Beschäftigten der BHF-Bank nicht zahlen, die Aktionäre hinter der übergeordneten BHF Kleinwort Benson Group auch nicht. Aber vielleicht sollten die Stakeholder mal darüber nachdenken, von der Bank Schmerzensgeld einzufordern? Auch mancher der wenigen tausend sehr vermögenden Kunden wird wohl die Augenbrauen hochziehen angesichts der aktuellen Vorgänge im Frankfurter Westend.

Nach einer schwierigen Phase in der gut 160-jährigen Unternehmensgeschichte mit wiederholten Eigentümerwechseln, darunter das traurige Zwischenspiel mit dem vermeintlichen Traumpartner Sal. Oppenheim, schien die BHF-Bank zur Ruhe kommen und sich statt mit sich selbst wieder ausschließlich mit den Kunden beschäftigen zu können. Mit der Einbettung in die Gruppe Kleinwort Benson schien nach einer von der Finanzaufsicht zusätzlich verzögerten Hängepartie endlich eine stabile, nachhaltige und zukunftsträchtige Struktur gefunden. Dahinter versammeln sich willkommene Aktionäre wie Stefan Quandt oder die chinesische Fosun mit ihrem Chairman Guo Guangchang, dem "Warren Buffett der Volksrepublik". Die Kunden waren happy, die Bank legte für 2014 sehr erfreuliche Zahlen vor und zeichnete sich obendrein durch die Begleitung großer Börsengänge wie des Rekord-IPO des chinesischen Internethändlers Alibaba aus.

Und nun das: Vorstandssprecher Björn H. Robens, eben noch der Hoffnungsträger, muss Knall auf Fall gehen. Ist da über einen ein wenig eigenartigen Umgangs- und womöglich auch Führungsstil hinaus etwas vorgefallen, was die Öffentlichkeit (noch) nicht weiß und was sie nach Ansicht des Aufsichtsrats auch nichts angeht? Der offiziell genannte Grund - "unterschiedliche Auffassungen in Fragen der Entwicklung und Führung des Unternehmens" - bleibt jedenfalls im Diffusen. Doch mit dem sehr plötzlichen Abgang nicht genug: Hinter den Kulissen tobt zu allem Überfluss ein Kampf um die Deutungshoheit, der zumindest teilweise etwas von einer Schlammschlacht hat.

Und dann die Krönung: Miteigentümer Fosun erklärt coram publico, die Entscheidung des Aufsichtsrats der Bank, Robens in die Wüste zu schicken, laufe den Interessen der Aktionäre zuwider und beschädige die Bank; man werde energisch dagegen vorgehen. So etwas hat man auch nicht alle Tage.

Es ist schon ein Stück aus dem Tollhaus, das da gegeben wird - mit durchaus nicht zu bestreitendem Unterhaltungswert. Fortsetzung wahrscheinlich. Hoffentlich bleibt den Stakeholdern das Lachen nicht im Halse stecken.

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