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Börsen-Zeitung: Gute Nachricht, Kommentar zur Kreditvergabe in Europa von Mark Schrörs

Frankfurt (ots) - Positive Nachrichten von der Kreditfront in Euroland waren lange Zeit Mangelware. Die neue Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Kreditvergabe der Banken ist nun zweifelsohne eine solche: Die Institute zeigten sich im Frühjahr weniger rigide als zuvor, zudem legte die Kreditnachfrage zu. Nun gleich von zu Tode betrübt auf himmelhoch jauchzend umzuschalten, wäre aber verfehlt. Allerdings sollte die EZB die Daten zum Anlass nehmen, sich doppelt und dreifach zu überlegen, was sie noch alles tun will.

In jüngster Zeit erschien die Kreditvergabe fast als Heiliger Gral der Wirtschaftserholung: ohne Kreditwachstum kein Wirtschaftswachstum - so lautete die knappe wie alarmistische Warnung. Dagegen ließ sich stets einwenden, dass Firmen am Beginn eines Aufschwungs für Investitionen oft zunächst Eigenmittel nutzen. Zudem ist bei so exzessivem Kreditwachstum wie vor der Krise ein Abbau des Überhangs schlichtweg unerlässlich; es sollten dann die Neukredite im Fokus stehen, nicht die aggregierten Daten. Schließlich ist das Wachstum auf Pump wie vor 2007 keineswegs ein Maßstab.

Gleichwohl ist natürlich der Konnex zwischen Kreditvergabe und Wachstum unbestritten - und insofern stimmt die neue EZB-Umfrage zuversichtlich. Positiv ist vor allem, dass die Nachfrage der Firmen nach Krediten vor allem auch auf den Finanzierungsbedarf von Anlageinvestitionen zurückgeht. Das lässt für die weitere Erholung hoffen.

Dennoch gilt es, vor Euphorie zu warnen: Immer noch geht ein Riss durch Euroland, auch wenn die Fragmentierung nachlässt. Zudem sind die Kreditstandards im historischen Vergleich weiterhin recht straff. Auch bestehen Risiken wie eine schwächere Erholung, etwa infolge des sich gefährlich zuspitzenden Ukraine-Konflikts. Entscheidend sind nun die "harten" Daten, also die tatsächliche Kreditvergabe: Da gab es zuletzt Signale, dass sie sich nach der Talfahrt stabilisiert.

Die EZB muss nun aber aufpassen, mit Blick auf die Kreditvergabe nicht zu überziehen. Sie hat ein bis zu 1000 Mrd. Euro schweres Programm zur Ankurbelung der Ausleihungen aufgelegt, das - jenseits des umstrittenen Nutzens - wegen der Anreizstrukturen reichlich Risiken birgt. Der direkte Ankauf von Kreditverbriefungen, also die Übernahme von Risiken der Banken auf die eigenen Bücher, wäre indes hochproblematisch. Vor allem aber muss sie sich davor hüten, die Banken in Kredite hineinzutreiben, die später Probleme bereiten. Damit würde sie sich selbst als künftiger Bankenaufsicht, aber auch der Euro-Wirtschaft einen Bärendienst erweisen.

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