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Börsen-Zeitung: Cleverer Schachzug, Kommentar zu Siemens von Julia Röbke

Frankfurt (ots) - Lange hat Siemens-Chef Joe Kaeser die Investoren auf die Folter gespannt. Bereits Ende April war der Dax-Konzern in den Übernahmepoker um den französischen Energieriesen Alstom eingestiegen, auch um zu signalisieren, dass man General Electric (GE) keinesfalls kampflos eine Position vor der eigenen Haustür überlassen wird. Siemens könnte das Energiegeschäft von Alstom übernehmen und im Gegenzug Teile des Bahngeschäfts an die Franzosen abgeben, so der skizzierte Plan.

Und die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Mitten im laufenden Konzernumbau würde sich Siemens einen zusätzlichen Klotz ans Bein binden, so die Befürchtungen. Das Synergiepotenzial sei begrenzt, es gebe kartellrechtliche Probleme, offenbarten die Investoren ihre Skepsis. Noch dazu fürchtete man weitgehende Zugeständnisse in Sachen Arbeitsplatzerhalt an die französische Regierung, die sich per Dekret schnell noch ein Mitspracherecht bei einem Deal mit Alstom gesichert hatte. Und das zu einer Zeit, in der bei Siemens selbst mehr als 11.000 Mitarbeiter vom Konzernumbau betroffen sind.

Nach einer wochenlangen Prüfung der Bücher überraschen die Münchner nun gemeinsam mit Mitsubishi Heavy Industries mit einem cleveren Schachzug, der allen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen dürfte. Siemens kauft von Alstom allein das lukrative Geschäft mit Gasturbinen. Mitsubishi verbandelt sich mit einer Reihe strategischer Allianzen mit Alstom. Erst in einem zweiten Schritt wird über ein Zusammenführen der Bahnaktivitäten von Siemens und Alstom nachgedacht.

Wie ist das Angebot im Verhältnis zur GE-Offerte zu bewerten? Ein Vergleich ist schwierig. Die Amerikaner bieten 12,35 Mrd. Euro Cash, bei Alstom verbliebe allein das Transportgeschäft. Bei Siemens und Mitsubishi würden nur 7 Mrd. Euro fließen. Allerdings blieben weite Teile von Alstom erhalten, was der französischen Regierung entgegenkommen dürfte. Fraglich bleibt bei dem Konstrukt allein, was Mitsubishi sich von einer weitreichenden Allianz mit der kriselnden Alstom verspricht. Zumal die Japaner über Minderheitspositionen nicht durchregieren können.

Für die Siemens-Aktionäre ist die jüngste Wendung ein Grund zur Freude, müssen sie doch nicht mehr fürchten, dass sich das Management mit einer Mega-Integration überheben könnte. Für die Münchner geht es jetzt allein um den Preis für das Gasturbinengeschäft, falls GE das Angebot noch einmal nachbessert. Entscheiden muss dann der Alstom-Board.

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