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Börsen-Zeitung: Die Hand gereicht, Kommentar zum Bankentag von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) - Bundespräsident Joachim Gauck hat beim 20. Deutschen Bankentag mit einer unspektakulären, aber wohltemperierten Rede überzeugt. Das ist nicht selbstverständlich. Beim Bankentag vor drei Jahren hatte sein Vorgänger Christian Wulff eine Philippika gehalten, undurchsichtige Anlageprodukte, die leichtfertige Kreditvergabe an Staaten, unangemessene Vergütungen und den Hochfrequenzhandel gebrandmarkt und eine strengere Regulierung gefordert. Dessen Vorgänger Horst Köhler wiederum hatte 2008, bei anderer Gelegenheit, die internationalen Finanzmärkte als "Monster" geschmäht. Den Unterschied machen nicht nur die drei bzw. sechs Jahre, die zwischen diesen Äußerungen liegen und in denen sich viel getan hat. Den Unterschied machen auch der jeweilige Stil des Staatsoberhaupts, nicht zuletzt sein Freiheits- und damit sein Regulierungsverständnis sowie die Erkenntnis Gaucks, dass das Thema zu komplex ist für undifferenzierte Schuldzuweisungen.

Der heutige Bundespräsident will, wie er sagt, weder die Banken beschimpfen noch eine heile Bankenwelt besingen. Er kritisiert ethisch fragwürdige, wenn nicht sogar gesetzeswidrige Geschäfte, falsche Anreize im Bonussystem oder übersteigerte Gewinnansprüche, würdigt aber auch, dass es längst zahlreiche neue Regeln gebe, und vergisst zudem nicht zu erwähnen, dass Gewinnstreben keineswegs verwerflich sei. Er betont, dass alle Akteure verantwortungsbewusst handeln müssten: nicht allein die Banken, sondern auch renditehungrige private Anleger und schließlich der Staat, dessen Rahmenordnung Fehlverhalten doch erst ermöglicht habe.

Diese Ausgewogenheit wird der Sache und allen Beteiligten gerecht, scheint aber sogar Bankenpräsident Jürgen Fitschen ein wenig überrascht zu haben, der wohl mit einer schärferen Schelte gerechnet hatte. Andererseits reicht auch der Co-Chef der Deutschen Bank der Politik demonstrativ die Hand, wenn er als Regulierungsbefürworter auftritt - einzelne Punkte wie Trennbankengesetz und Finanztransaktionssteuer ausgenommen -, wenn er die große Leistung der Politik bei der Krisenbewältigung hervorhebt, zum x-ten Mal Fehler einräumt und seiner Zunft "Demut statt Übermut" ins Stammbuch schreibt.

Beim Bankentag haben sich Politik - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eingeschlossen - und privates Kreditgewerbe also aufeinander zubewegt. Das kann man nur begrüßen, denn ein dauerhafter Konfrontationskurs wäre schädlich nicht nur für diese beiden Seiten, sondern für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und die deutsche Volkswirtschaft insgesamt.

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