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Börsen-Zeitung: Nerven behalten! Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Die Aktienmärkte, denen von den meisten Anlagestrategen weiter steigende Kursniveaus vorausgesagt worden sind, haben einen Fehlstart ins neue Jahr hingelegt. Der Dax liegt um 2,7% unter seinem Stand von Ende 2013. Der EuroStoxx50 ist um 2,3% zurückgefallen - trotz der Erholung in der zweiten Hälfte der abgeschlossenen Woche. Beim Dow Jones beträgt das Minus sogar rund 5%. Den Vogel hat jedoch der Nikkei abgeschossen mit einem Einbruch um 11%. Die Tokioter Börse hatte allerdings 2013 mit einem besonders hohen Zuwachs von 57% geglänzt.

Die Gründe für die aktuelle Korrektur liegen auf der Hand: eine deutliche Wachstumsschwäche in China, das Tapering der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) und vor allem die Turbulenzen der Assets aus den Emerging Markets, die an den entwickelten Märkten für hohe Nervosität sorgen.

Angst vor Krise

Am Markt geht die Angst um, dass sich die Turbulenzen, die bei den Schwellenländerwährungen begonnen haben, zu einer handfesten Emerging-Markets-Krise auswachsen könnten. Eine solche Krise würde, da Investoren rund um den Globus betroffen sind, zweifellos auch die Märkte in den USA und Europa sowie Japan deutlich in Mitleidenschaft ziehen. Die Frage ist nur, wie wahrscheinlich es ist, dass ein solches Krisenszenario Realität wird. Dafür spricht, dass das Sentiment der großen Mehrheit der Anleger aus den entwickelten Ländern den Emerging-Markets-Assets gegenüber immer noch sehr negativ ist. Angesichts der zahlreichen strukturellen Probleme dieser Staaten, die mittlerweile nicht mehr verdrängt werden, ist der Traum von einem quasi endlosen stabilen Wachstum ausgeträumt. Ein Ende der Kapitalabzüge aus den Emerging Markets ist damit noch nicht abzusehen.

Langsame Reformen

Wie Maarten-Jan Bakkum, für die Emerging Markets zuständiger Stratege bei ING, anmerkt, bauen sich die makroökonomischen Ungleichgewichte der Länder - etwa die Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizite sowie die hohe Verschuldung der privaten Haushalte - in vielen Ländern nur ganz allmählich ab. Zudem gehe es bei den Strukturreformen nur sehr langsam voran.

Gegen eine neue tiefe Emerging-Markets-Krise spricht aber die konjunkturelle Lage in China und in anderen Schwellenländern. So betont Asoka Wöhrmann, Co-Chief Investment Officer bei Deutsche Asset & Wealth Management: "Die Entwicklung ist derzeit weniger von Fundamentaldaten getrieben als von der Sorge vor einer starken Korrektur und einer Ansteckung anderer Staaten. In den meisten Emerging Markets zeichnen die Konjunkturdaten, wie zum Beispiel die Einkaufsmanagerindizes, derzeit weiterhin ein eher positives Bild." Mit anderen Worten: Es ist also eher eine Frage der Nerven der Anleger, ob es zu einer Krise kommt, die dann Kreise ziehen würde. Trotz der jüngsten Erholung ist nicht auszuschließen, dass sich die Mittelabzüge und damit die Korrektur von Emerging-Markets-Assets noch eine Weile fortsetzt, ohne dass es jedoch zu einem "Meltdown" kommen sollte. Nach Einschätzung der Analysten der Credit Suisse würde es erst dann kritisch, wenn das Wachstum in China unter 5% sinkt oder die Währung Renminbi um über 10% abgewertet würde. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus. Insofern raten derzeit die allermeisten Aktienstrategen den Kunden ihrer Banken dazu, die Nerven zu behalten.

Die Korrektur könnte durchaus noch eine Weile auf kleiner Flamme weiterköcheln, ohne dass es aber noch zu kräftigen Kurseinbrüchen kommt. Danach dürfte es wieder aufwärts gehen - wenn auch in einem gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich gemäßigten Tempo. Angetrieben würde dies vom Gewinnwachstum der Unternehmen, ohne dass es zu einer weiteren Expansion der Bewertungsniveaus käme.

Nicht alles eingepreist

Ralf Zimmermann, Aktienstratege beim Bankhaus Lampe, glaubt, dass in einer kurzfristigen Sicht von bis zu drei Monaten wohl noch nicht alles an negativen Faktoren eingepreist ist. Auf längere Sicht wird die Lage aber freundlicher gesehen. Die Aktienexperten vom Bankhaus Baader bleiben bei ihrem Jahresendziel für den Dax von 10000 Punkten, was bezogen auf den aktuellen Stand einem Potenzial von 7,5% entspricht. Ähnlich sehen es die Analysten der DZBank, die ein Jahresendziel für den Dax von 10200 Punkten postulieren. Aktienanleger sollten also die Nerven behalten - und vom laufenden Jahr nicht zu viel erwarten.

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