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Börsen-Zeitung: Börsen im Anleihen-Hype, Kommentar von Christopher Kalbhenn zur Schaffung von Börsensegmenten für Anleihen mittelständischer Unternehmen

Frankfurt (ots) - Anleihen mittelständischer Unternehmen sind derzeit der große Hype der deutschen Börsen. Gleich drei Marktbetreiber sind im November in das Geschäft eingestiegen. Sie folgen damit der Börse Stuttgart, die seit dem Frühjahr das BondM-Segment betreibt, sodass nun vier Börsen um kleine und mittelgroße Unternehmensemittenten buhlen.

Ob das zu viel des Guten ist oder der Markt genug Platz für vier Wettbewerber bietet, wird man erst in zwei bis drei Jahren wissen. Derzeit sehen die Aussichten gut aus. Die alle Erwartungen sprengende Entwicklung der Konjunktur, durch die sich die Investitionstätigkeit belebt, erhöht den Finanzierungsbedarf. Gleichzeitig entwickelt sich der inländische IPO-Markt nach wie vor mäßig und gestaltet sich die Mittelbeschaffung über Bankkredite immer schwieriger. Da bietet sich der Anleihemarkt als Vehikel geradezu an.

Ein nachhaltiger Erfolg der Mittelstandssegmente ist allerdings keine Selbstverständlichkeit. Die Börsen sollten sich von dem Wettbewerb nicht dazu verleiten lassen, bei der Qualität der Emittenten gegebenenfalls ein Auge zuzudrücken, um den Zuschlag zu erhalten, sondern ihre Kriterien bezüglich Transparenz und Anlegerschutz konsequent einhalten. Das Vertrauen der Privatanleger, auf die die Segmente auf der Investorenseite zugeschnitten sind, kann leicht - und dann auch nachhaltig - verloren gehen.

Allerdings sind die Aussichten der Mittelstandssegmente derzeit auch von der Investorenseite her äußerst günstig. Aufgrund der unbefriedigenden Erträge, die mit liquiden Mitteln und erstklassigen Staatspapieren zu erzielen sind, suchen die Anleger nach einer Alternative, die höhere Renditen bietet. Da viele Anleger nach wie vor Aktieninvestments scheuen, stehen auch bei den Privaten Unternehmensanleihen hoch im Kurs.

Für die Mittelstandssegmente könnten sich hieraus Probleme ergeben, gegen die die Börsen kaum etwas ausrichten können. Der Boom des Unternehmensanleihemarktes ist zu einem großen Teil auf die verzerrenden Effekte der extrem expansiven Geldpolitik zurückzuführen. Dreht sich die Geldpolitik, wird die relative Attraktivität der Unternehmensanleihen abnehmen. Vor allem aber drohen in einer solchen Situation empfindliche Kursverluste mit der Folge, dass die Anleger das Weite suchen.

(Börsen-Zeitung, 24.11.2010)

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