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Börsen-Zeitung: Löschers Aufschwungsignal, Kommentar von Stefan Kroneck zum neuen Beschäftigungspakt bei Siemens

Frankfurt (ots) - Deutschland hat sich zur Konjunkturlokomotive von Europa gewandelt. Dank der sich von der Krise erholenden Weltwirtschaft kehrt die deutsche Exportwirtschaft zu alter Stärke zurück. Dazu trugen auch die staatlichen Milliardenprogramme zur Stützung der Wirtschaft in den Schlüssel-Industrieländern bei, einschließlich China. Die EU-Kommission erhöhte jüngst ihre Wachstumsprognose 2010 für Europas bedeutendste Volkswirtschaft auf 3,4%.

Von dieser Entwicklung profitiert nun zunehmend Siemens. Mit dem neuen Beschäftigungspakt sendet Vorstandschef Peter Löscher weitgehend Aufschwungsignale einer ganz speziellen Art. Der Münchener Konzern ist damit das erste Dax-Unternehmen, der nach Überwindung der tiefen Rezession eine weitreichende Arbeitsplatzgarantie für seine Beschäftigten in Deutschland abgibt. Sollte die wirtschaftliche Erholung an Dynamik gewinnen, könnten andere Großkonzerne folgen.

Als weltweit agierender Mischkonzern mit seiner Ausrichtung auf Energiegeschäfte, vielfältige Industrieaktivitäten und Medizintechnik fungiert Siemens wie ein konjunktureller Frühindikator. Die Geschäfte im Heimatmarkt laufen wieder blendend. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Dabei halfen unter anderem Infrastrukturprojekte in vielen Industriestaaten, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Löschers früherer Ausblick, Siemens werde gestärkt aus der Krise hervorgehen, erweist sich damit nicht als bloßer PR-Spruch.

Nach seinem Amtsantritt vor mehr als drei Jahren krempelte er Siemens deutlich um. Verkrustete Strukturen wurden aufgebrochen. Die Aufarbeitung der Korruptionsaffäre lieferte ihm die notwendigen Handlungsspielräume, um den Konzern schneller nach seinen Vorstellungen zu formen. Löscher trimmte das Unternehmen schon vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise auf mehr Rendite. Rund 17000 Arbeitsplätze wurden weltweit im Vertrieb und in der Verwaltung abgebaut. Diese Entscheidung stieß zwar auf Widerstand, erwies sich aber als richtiger Schritt.

Dank dieses Einschnitts konnte Siemens den Abschwung besser durchstehen als manch anderes Unternehmen. Trotzdem ist auch Löscher vor Fehlern nicht gefeit, wie die folgenschwere Milliardenabschreibung in der Medizintechnik zeigt. Solche Rückschläge kann Siemens aber lässig abfedern.

(Börsen-Zeitung, 23.9.2010)

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