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Börsen-Zeitung: Entspannter im Schuldenturm, Kommentar von Walther Becker zur erstmaligen Präsentation der Zahlen der Schaeffler-Gruppe

Frankfurt (ots) - Frau Schaeffler wird von Haus und Hof gejagt, die finanzierenden Banken geraten infolge der abenteuerlichen Attacke des fränkischen Familienunternehmens auf Conti noch tiefer in den Abwärtssog - die eine Alternative vom Frühjahr 2009. Die andere: Schaeffler überlebt als Zombie, der nur fortbesteht, weil die Banken auf Teufel komm raus Abschreibungen vermeiden wollen. Mittlerweile zeigt sich: Es gibt einen dritten Weg. Die Zahlen, die das bislang verschlossene fränkische Unternehmen jetzt erstmals vom Schleier des Geheimnisses befreit hat, zeugen von einer operativen Stärke, die im Jahr 1 nach der schweren Branchenkrise unter Zulieferern ihresgleichen sucht.

Ein Umsatzanstieg um ein Drittel seit Jahresbeginn, eine operative Marge von 16%, sprudelnder Mittelzufluss und eine leicht reduzierte Nettoverschuldung lassen die Erinnerung an die Existenzgefährdung verblassen: Die Krise ist überwunden, lautet die Botschaft aus Herzogenaurach. Schaeffler ist stabilisiert dank operativer Stärke. Das sieht gut aus, nicht zuletzt aufgrund der China-Hausse. Und außerhalb des Automotive-Geschäfts ist die Industriesparte auf Aufholjagd. Schaeffler ohne fremdfinanzierte Conti-Übernahme - das wäre heute einer der profitabelsten Zulieferer. Auch auf der Seite des MDax-Konzerns hat sich einiges zum Besserengewendet, dank Kapitalmarktzugangs wurden die Eigenmittel gestärkt. Der ersten hochverzinslichen Anleihe folgt in Kürze eine zweite. Also herrscht allenthalben Erleichterung im Schuldenturm.

Doch ist der Weg noch weit. Schaeffler hat die Finanzverbindlichkeiten zwar aus dem Cash-flow ein Stück zurückgeführt, doch wurden sie in erster Linie nur neu aufgeteilt. Die Zeitbombe tickt auf der Ebene der Familie, wo 5 Mrd. Euro Schulden angesiedelt sind mit endfälliger Bedienung und Tilgung, sodass - nach Private-Equity-Manier - die Last von Monat zu Monat steigt. Das sind keine guten Perspektiven für den Alleineigentümer und Conti-Großaktionär. Zumal auf dieser Ebene nach wie vor Verschwiegenheit oberstes Gebot ist. Schließlich wird die aufgeteilte Schuldenlast nur zurückzuführen sein mit Asset-Verkäufen und/oder der Hereinnahme neuer Investoren. Finanzmärkte, Konjunktur und der Conti-Kurs müssen für die Gesundung mitspielen. Bis das künftige Gebilde eine stabile Gestalt angenommen hat, dürfte noch eine Menge Wasser die Leine herabfließen.

(Börsen-Zeitung, 2.9.2010)

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