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Börsen-Zeitung: Das Geschäft mit der Angst, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Wie sehr der Devisenmarkt für Überraschungen gut ist, zeigt derzeit die Gemeinschaftswährung. Vor wenigen Wochen schien eine Abwertung bis auf die Parität zum Greenback vielen Marktteilnehmern unausweichlich. Diese Einschätzung ist mittlerweile ebenso gründlich widerlegt worden wie die Meinung mancher Beobachter, dass die im Juni begonnene Gegenbewegung kurzlebig sein und nicht weit führen werde. In sehr kurzer Zeit ist der Euro von 1,19 auf 1,30 Dollar gestiegen, um in der gerade beendeten Handelswoche auch noch an der Marke von 1,31 Dollar zu schnuppern. Die Korrektur war überfällig und ist durch die immensen Short-Bewegungen verstärkt worden. Sie ist aber auch fundamental erklärbar, so z.B. durch überraschend robuste Konjunkturdaten aus dem Euroraum bei gleichzeitig enttäuschenden Indikationen aus der US-Wirtschaft.

Endzeitstimmung verflogen

Hauptantriebskraft ist jedoch die sich abschwächende Risikoaversion, d.h. die nachlassende Angst der Investoren, wodurch die Flucht in den Dollar ein Ende fand. Die Schuldenkrise hat an Schrecken verloren, und die gefürchteten Banken-Stresstests sind glimpflich über die Bühne gegangen. Außerdem fällt die Berichtssaison der Unternehmen insgesamt recht gut aus. Auch wenn die enttäuschenden US-Konjunkturdaten für Verunsicherung sorgen, ist von der Endzeitstimmung, die im Juni auf dem Höhepunkt der von der Schuldenkrise ausgelösten Marktturbulenzen bestand, nichts mehr zu spüren.

Nicht für alle Anlageformen ist die Stimmungsaufhellung an den Finanzmärkten erfreulich. Sichere Anlagen wie Bundesanleihen stehen seither unter Druck. Getroffen wurde auch der neue Liebling des deutschen Anlegers: Gold. Im Juni noch auf einem Rekordhoch von 1265, ist die Feinunze auf 1180 Dollar gesunken. Damit hat sie 7% eingebüßt und das niedrigste Niveau sei fünf Monaten erreicht. Dadurch erleben diejenigen Anleger, die sich auf der Suche nach Sicherheit im Juni in Gold-Investments geflüchtet haben, ein böses Erwachen. Die Gold-Hausse wird von eindeutigen Übertreibungssymptomen begleitet, von denen Alarmsignale ausgehen. Wenn sie schon von Taxifahrern mit den heißesten Aktientipps beglückt werden, dann wissen erfahrene Börsianer, dass es Zeit wird, sich nach anderen Anlagen umzuschauen. Aktien sind heute out. Dafür stößt man beim Friseur auf Magazine, die auf der Frontseite für Goldanlagen trommeln, und erfährt, dass so ziemlich alle Kunden derzeit vom gelben Edelmetall schwärmen und es kaufen. Blieben Edelmetallhändler vor nicht allzu langer Zeit auf ihren Münzen und Barren sitzen, sind sie jetzt ausverkauft und müssen die herandrängende Kundschaft vertrösten. Das erinnert fatal an den Neuen Markt, als Unternehmen und Konsorten nicht mehr in der Lage waren, genug Aktien zu drucken, um die heranstürmenden Anlegermassen zu bedienen.

Die Erfahrung von Hyperinflation und Währungsreform macht die Deutschen, von denen viele dem Euro nach wie vor nicht so recht trauen, besonders anfällig für den Goldrausch. Das wissen leider nicht nur die seriösen Anbieter von Gold und darauf bezogenen Produkten. Weniger vertrauenswürdige Geschäftemacher heizen die unterschwelligen Ängste bewusst an, indem sie den Zusammenbruch des Euro oder der hochverschuldeten USA beschwören und ihren Opfern den totalen Vermögensverlust ankündigen. Es steht zu befürchten, dass nicht wenige darauf reinfallen und viel zu hohe Goldanlagen zu hohen Kursniveaus eingehen oder sich "Ratgeber"-Produkte aufschwatzen lassen, deren Kostspieligkeit mit ihrer Nutzlosigkeit positiv korreliert.

Illusion der Sicherheit

Auf jeden Rausch folgt der Kater. Gerade die in Euro rechnenden Anleger bekommen das nun zu spüren. Denn neben dem Preisrückgang bei Gold müssen sie auch noch für die nachlassende Risikoaversion büßen. Denn der fallende Dollar fügt noch schmerzhafte Währungsverluste hinzu. In Euro gerechnet verdoppelt sich der Verlust gegenüber dem Rekordhoch vom Juni auf 14%. Sicherheit mit Gold ist nur noch eine Illusion.

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