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Börsen-Zeitung: Viel Lärm um leise Autos, Kommentar von Peter Olsen zum "Elektromobilitätsgipfel" von Kanzlerin Angela Merkel und der deutschen Wirtschaft

Frankfurt (ots) - "Siemens war schon 1905 Pionier bei Elektroautos", heißt es in einer eigens zum gestrigen "Elektromobilitätsgipfel" von Kanzlerin Angela Merkel und der deutschen Wirtschaft geschalteten Anzeige. Man kann aus der Jahreszahl auch ablesen, wie lange die Welt schon vergeblich auf den Durchbruch zur abgasfreien Antriebstechnik wartet.

Der Uhrenunternehmer Nicholas Hayek vermochte Anfang der neunziger Jahre den VW-Konzern mit seiner Vision eines Swatch-Autos zu begeistern. Von einem reinen Elektrofahrzeug oder einem Hybridmodell mit etwa 200 km Reichweite war die Rede. Die Wolfsburger nahmen dann doch Abstand von der Idee, Daimler entwickelte aus Hayeks Vision den Zweisitzer Smart - mit konventionellen Antrieben.

Siemens' Verweis, dass Elektromobilität technisch eigentlich ein alter Hut ist, und das Eingeständnis vor 20 Jahren, dass es für reine Elektromobilität an leistungsfähigen Batterien mangelt, gelten unverändert, ungeachtet des Wissens um die Endlichkeit der Rohölreserven. Die Vielzahl an optimistischen Glaubensbekenntnissen und Prognosen, dass schon 2020 etwa 1 Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen eingesetzt werden dürften, ändern am Grundproblem nichts. Herkömmliche Akkus sind zu schwer und nicht leistungsfähig genug, über die Sicherheit gebündelter Lithium-Ionen-Packs im automobilen Einsatz weiß man noch zu wenig. Aber welcher Großserienhersteller will schon Explosions- oder Brandgefahren riskieren, wenn schon verrutschende Fußmatten oder klemmende Gaspedale einem Automobilbauer wie Toyota die Geschäftsgrundlage entziehen können?

Momentan gibt es viel Lärm um die leisen Autos der Zukunft. Preislich werden die reinen Elektrofahrzeuge noch lange nicht für breite Käuferschichten attraktiv sein, vom begrenzten Einsatzradius einmal ganz abgesehen. Aber selbst wenn man sich, auch mit Blick in die leeren Kassen, in Berlin noch lautstark gegen staatliche Anreize wehrt, ohne eine wie auch immer geartete Förderung werden die an der Nationalen Plattform für Elektromobilität beteiligten Unternehmen aus den Schlüsselbranchen der deutschen Industrie im globalen, anderswo hoch subventionierten Wettbewerb nicht mithalten können. Vielleicht sollte man wirklich erst einmal kleinere Brötchen backen. Hybridfahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor à la Toyota könnten für einen bezahlbaren Brückenschlag von der herkömmlichen zur Zukunftstechnik stehen.

(Börsen-Zeitung, 4.5.2010)

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