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Börsen-Zeitung: Airlines in Not, Kommentar zum Flugverbot von Peter Olsen

Frankfurt (ots) - Für Europas Fluggesellschaften kommt es wirklich knüppeldick. Nach Schätzungen des Weltluftfahrtverbandes IATA fliegen sie den Erholungstendenzen bei Airlines in anderen Regionen der Welt ohnehin schon hinterher. Und jetzt trifft sie die seit Tagen anhaltende Sperrung großer Teile des europäischen Luftraums wegen der Vulkanasche aus Island besonders stark.

Die Nerven liegen blank - bei Airline-Managern wie Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ebenso wie bei Politikern wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Den einen geht die Sperrung zu weit, den anderen geht es um die Vermeidung jeglichen Risikos. Europa jedenfalls präsentiert sich in diesen Tagen, die der Luftfahrt höhere Einnahmeeinbußen bescheren dürften als der Terroranschlag vom 11. September 2001, mit einer unsäglichen Kakofonie. Dabei ist klar: Niemand ist letztlich bereit, im Fall der Fälle die Verantwortung für Flugzeugabstürze zu übernehmen - weder Politik noch Fluggesellschaften.

Immerhin gibt es aber erste Anzeichen, die Hoffnung machen, dass das Schlimmste überstanden sein könnte. Der Vulkan auf Island stößt seine gefährliche Asche nicht mehr in die für die internationale Luftfahrt relevante Höhe aus. Und mit ersten Ausnahmegenehmigungen für Flüge unter Sichtflugbedingungen wird das generelle Flugverbot etwas gelockert.

Letztlich aber bahnt sich für die gerade aus der Krise herausfliegende Airline-Branche eine Art Bail-out an. Die EU will ähnlich wie weiland nach dem Terroranschlag für Fluggesellschaften in akuter Not vorübergehend staatliche Hilfen ermöglichen. Dass ausgerechnet in Deutschland der liberale Wirtschaftsminister Rainer Brüderle offen für solche Hilfen ist, sein Ministerkollege mit dem CSU-Parteibuch dagegen nicht, deutet auf akuten Klärungsbedarf hin.

Mit etwa 250 Mill. Dollar täglich schlägt der in Europa weitgehend eingestellte Flugbetrieb bei den Fluggesellschaften als Einnahmeausfall zu Buche. Der deutschen Wirtschaft, die stark vom internationalen Handel abhängig ist, gehen Umsätze von geschätzten 1 Mrd. Euro täglich verloren. Normalisiert sich die Lage in den nächsten Tagen, wird ein Großteil davon aufgeholt werden können. Dass in der globalisierten Welt wegen der aktuellen Erfahrung mit den Naturgewalten die Transportströme neu strukturiert werden, darf aber bezweifelt werden.

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