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Börsen-Zeitung: Produktion oder Kapazität? Kommentar zu Opel-Sanierungsplänen von Peter Olsen

    Frankfurt (ots) - Während sich in Deutschland noch der neue Bundeswirtschaftsminister und die alten Ministerpräsidenten darüber streiten, ob Bund und Opel-Standortländer oder nur die Länder oder am Ende keiner öffentliches Geld als Überlebenshilfe für die General-Motors-Tochter bereitstellen soll, macht die neue Opel-Führung Nägel mit Köpfen. Der interimistische Chef Nick Reilly bereist nacheinander die europäischen GM-Standortländer, die wie Belgien, Spanien und Großbritannien dem geplatzten Opel-Verkauf an Magna-Sberbank reserviert, um nicht zu sagen ablehnend gegenüberstanden.

    Natürlich könne es nicht um einen Bieterkampf nach dem Motto gehen, derjenige Staat, der am meisten hilft, kann sich auch der bestehenden Werke und der Beschäftigung sicher sein, ließ der britische Manager verlauten, die in Brüssel gespitzten Ohren in der EU-Kommission nie vergessend. Aber wenn ein Land jede Hilfe gänzlich versage, könnte das die Sanierungspläne von GM in Europa schon ein wenig beeinflussen. Nachtigall, ick hör dir trapsen, heißt es im Berliner Volksmund. Man kann gespannt sein, wie Jungminister Rainer Brüderle in Sachen Opel die Kurve kriegt.

    Und Reilly rückt Aussagen von GM-Chef Frederick "Fritz" Henderson zurecht. Letzterer hatte dieser Tage noch erklärt, die Opel-Produktion in Europa müsse nach dem Auslaufen von Abwrackprämien nicht sehr stark sinken, weil man ja die Fahrzeugbestände bei den Händlern wieder auffüllen müsse. Reilly sieht das anders. Um 20 bis 25% müsse in Europa zurückgefahren werden. Wobei unklar bleibt, meint er Produktionsvolumen oder Werkskapazität oder beides?

    Eine vorübergehende Drosselung der Produktion hielte an sich überflüssige Werke offen und wäre nur dann gerechtfertigt, wenn GM in nicht allzu ferner Zukunft wieder mit deutlich höheren Absatzzahlen in die vorhandene Kapazität hineinwachsen kann. Angesichts der gesättigten Märkte auf dem alten Kontinent, der heftigen Konkurrenz und mit Blick auf das eher schmale Angebot der GM-Tochter ist damit aber nicht zu rechnen.

    Verzichtet GM jedoch bei Erhalt von Staatshilfen auf Werksschließungen in Westeuropa - im Frühjahr standen noch drei von acht Standorten zur Disposition -, würde der selbst durch ein Stahlbad gegangene US-Konzern die Chance auf eine nachhaltige Sanierung vertun.

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