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Börsen-Zeitung: Das große Fressen, Kommentar von Walther Becker zur Übernahmeofferte des amerikanischen Lebensmittelkonzerns Kraft Foods für den britischen Süßwarenhersteller Cadbury

    Frankfurt (ots) - Der "Merger Monday" meldet sich machtvoll zurück: Der global zweitgrößte Lebensmittelanbieter Kraft Foods aus den USA greift mit einem milliardenschweren Übernahmeversuch Nestlé als Nummer 1 an. Das Objekt der Begierde, der britische Süßwarenhersteller Cadbury, wehrt sich. Das Management weist das 11,7 Mrd. Euro schwere Kaufangebot zurück, denn die Offerte sei zu niedrig. "Fast Food" werden die Briten nicht.

    Die Amerikaner wollen sich aber den Appetit nicht verderben lassen. Doch werden sie einen deutlich höheren Aufschlag als 30% auf den Tisch legen müssen, um den SnackHersteller schlucken zu können. Immerhin bieten die Amerikaner überhaupt eine Prämie - anders der Rohstoff-Multi Xstrata, der Anglo American für anfänglich 67 Mrd. Dollar völlig ohne Aufschlag andocken will.

    Störend aus Sicht der Cadbury-Eigner ist die Struktur: Offeriert werden 60% Kraft-Aktien. Dabei ist die Bilanz des US-Multis, der sich 2007 die Danone-Kekse für 7,8 Mrd. Dollar einverleibt hatte, schon arg strapaziert: Der Unternehmenswert von 60 Mrd. Dollar besteht zu 18 Mrd. Dollar aus Nettoschulden, und das Verhältnis der Nettoverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis würde mit dem Deal in Richtung 5 marschieren.

    Darf's ein bisschen mehr sein? Die Reaktion der Investoren zeigt, dass sie Nachschlag erwarten: Die Cadbury-Aktie schoss zu Wochenbeginn sofort über den lancierten, unverbindlichen Angebotspreis. Dies könnte Begehrlichkeiten bei Weltmarktprimus Nestlé wecken. Doch ein teurer Bieterkampf ist die Sache der Schweizer nie gewesen, und aus ihrer Sicht könnte es sich lohnen, abzuwarten und zu schauen, was daraus wird, wenn sich zwei Rivalen zerfleischen, und welche Brocken am Ende für sie dabei abfallen. Eine um Cadbury erweiterte Kraft Foods käme auf einen Jahresumsatz von 50 Mrd. Dollar. Den hat Nestlé indessen schon nach sechs Monaten.

    Der Fall demonstriert deutlicher als die Hängepartien im Rohstoffsektor die Zuversicht von Bankern und Managern angesichts dessen, dass die Bewertungen den Boden gefunden haben und sich aus schierer Größe eben doch Vorteile ziehen lassen. Der Wahn vergangener Tage kehrt zurück. Es ist die Hybris von Managern gewesen, die große Übernahmen letztlich scheitern ließ und gewaltige Werte vernichtete. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass sich die Krise mit Schokolade oder Kaugummis versüßen lässt.

    (Börsen-Zeitung, 8.9.2009)

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