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Börsen-Zeitung: Vage Hoffnung, Kommentar von Bernd Weber zu den Aussagen von VDA-Präsident Matthias Wissmann vor Beginn der Internationalen Automobilausstellung (IAA)

    Frankfurt (ots) - Matthias Wissmann, seit wenigen Monaten Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), hat seine Politikervergangenheit noch nicht recht abgelegt. Sicher bedarf es diplomatischen Geschicks in seiner neuen Position. Doch seine Aussagen kurz vor Beginn der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) zum Ausblick für die deutsche Automobilkonjunktur sind vage. Es hätte schon etwas mehr sein dürfen.

    Die Neuzulassungszahlen vom August wertet Wissmann als Zeichen, dass der deutsche Automobilmarkt das Schlimmste hinter sich hat. Die Lohnsteigerungen würden sich irgendwann in den Pkw-Verkaufszahlen niederschlagen, und wenn die Politik den Umbau der Kfz- in eine CO2-Steuer präzisiert habe, werde im kommenden Jahr endlich auch die automobile Binnenkonjunktur richtig anziehen.

    Ob allein die Präzisierung einer CO2-basierten Kfz-Steuer reicht, um den Attentismus der deutschen Autokäufer sofort zu brechen, darf bezweifelt werden. Selbst wenn Wissmann entsprechende Signale aus Berlin erhalten haben sollte, was macht ihn so sicher, dass eine Entscheidung auf der politischen Bühne nicht derart ausfällt, dass eine Änderung der Kfz-Steuer erst mit dem Jahr 2009 greift? Oder sogar später? Zwar wäre die Unsicherheit beseitigt, aber es könnte durchaus sein, dass die Käufer sich noch so lange gedulden werden, bis das Gesetz wirklich in Kraft tritt.

    Vorzieheffekte, wie sie anlässlich der zum Jahresbeginn in Kraft getretenen Mehrwertsteuererhöhung zu beobachten waren, sind also nicht zwingend zu erwarten. Und eine noch lange nicht beendete Diskussion über CO2-Grenzwerte für Flotten, Segmente oder sogar Modelle auf europäischer Ebene lockt den deutschen Automobilisten sicher ebenfalls nicht gerade in die Verkaufsräume der Händler.

    Wissmann zieht zwar alle ökologischen Register, um die Kunden zu locken, und spricht davon, dass auf der IAA immens viele Lösungen zur Senkung des CO2-Ausstoßes gezeigt würden und die Industrie die Herausforderungen des Klimaschutzes offensiv annehme. Aber er schreibt der Politik auch ins Stammbuch, dass Industrie und Kunden "jetzt" tragfähige Konzepte sehen wollen sowie ein schnelles Umsetzen im Gesetzgebungsprozess. Wissmann weiß also, solange dies nicht geschieht, wird die Belebung der automobilen Binnenkonjunktur eine vage Hoffnung bleiben.

    (Börsen-Zeitung, 11.9.2007)

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