Der Tagesspiegel

Der Tagesspiegel: Inlandspresse/ Der Tagesspiegel Berlin meint zur schnellen Entscheidung für Wulff:

Berlin (ots) - Schnelle Entscheidungen sind riskant; langsame nicht unbedingt besser: Für die Kür von Horst Köhler hatte sich Angela Merkel viel Zeit genommen. Beschleunigung hat durchaus etwas Faszinierendes, doch die Kunst dabei ist das Schalten - auch das Abschalten, Innehalten. Wer stets mit vollem Tempo fährt, verfällt nur dem Rausch der Geschwindigkeit. Bei der Wahl des Präsidenten begrenzt die Verfassung die zur Verfügung stehende Zeit; von drei Tagen bis zur Benennung der Kandidaten ist da jedoch nicht die Rede. Beschleunigung braucht Kraft, das weiß die Physikerin Merkel, Kraft bewirkt die Verformung von Körpern. Ein Teilchenbeschleuniger vermag kleinste Strukturen aufzulösen. Das Tempo, in dem die Politik inzwischen entscheidet, verformt die Demokratie; das Parlament folgt ahnungs- und atemlos, Konsens wird nur noch verordnet. Politische Führung bedeutet in so einer Zeit, zu unterscheiden zwischen scheinbarem und tatsächlichem Druck, bedeutet, Haltung zu zeigen und Orientierung zu geben. Das hat bei der Kür des Kandidaten gefehlt.

Pressekontakt:

Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de
 

Original-Content von: Der Tagesspiegel, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Der Tagesspiegel

Das könnte Sie auch interessieren: