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Der Tagesspiegel: Kinderpsychologe Brisch: RTL-Realityshow "Erwachsene auf Probe" sollte nicht ausgestrahlt werden

    Berlin (ots) - Der Münchner Psychosomatiker Karl-Heinz Brisch hat die geplante RTL-Realityshow "Erwachsene auf Probe" scharf kritisiert. In der Serie, die der Sender ab dem 3. Juni ausstrahlen will, werden Babys für vier Tage von ihren Eltern getrennt und jugendlichen Paaren überlassen, damit diese lernen, wie schwer das Leben mit Kindern ist. Die Botschaft, dass man Babys "mal schnell für vier Tage wildfremden Menschen zur Pflege anvertrauen könne", sei katastrophal, sagte Brisch dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). "Es wäre schön, wenn es gelänge, die Ausstrahlung aufzuhalten."

    "Normalerweise würden Babys nicht freiwillig zu Fremden gehen", sagte Brisch, Privatdozent für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilans-Universität in München. Die Babys in der Sendung seien zwischen sieben und 14 Monaten alt. "Von Fremden in diesem Alter auf den Arm genommen zu werden, löst Stress und Angst aus", sagte Brisch dem "Tagesspiegel".

    Das Argument des TV-Senders, dass die Kinder sicher gewesen seien, weil Ärzte, Schwestern und Psychologen bereitgestanden hätten, ließ Brisch nicht gelten. "Es ist für mich unverständlich, dass diese nicht lautstark protestiert haben. Ich bin sicher, die Standesvertretungen werden prüfen, wer mit dem Sender bei diesem unethischen Experiment kooperiert hat", sagte er.

    Kinder könnten zwar lernen, sich zu trennen und zu weiteren Personen wie ihrer Krippenerzieherin eine vertrauensvolle Beziehung zu entwickeln. "Das braucht aber vier bis sechs Wochen Zeit der Eingewöhnung", sagte Brisch. "Sie lassen sich nicht zwischen Tür und Angel mal schnell an Fremde abgeben." Falls die Eltern ihre Kinder wider besseres Wissen weggegeben hätten, sei das vorsätzliche Kindeswohlgefährdung.

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