Deutsche Umwelthilfe e.V.

Deutsche Umwelthilfe fordert für Ballungsräume mit hoher Luftbelastung Nutzungsstopp von Kaminöfen

Richtig Heizen mit Holz

Berlin (ots) - Nachdem die meisten Dieselmotoren einen Partikelfilter haben, sind nun Kaminöfen und Co. Hauptquelle von Feinstaub und Ruß - Temporäre Verbote wie derzeit in der deutschen Feinstaubhauptstadt Stuttgart geplant, sind ungeeignet und kaum zu kontrollieren - DUH fordert wirkungsvollen Vollzug durch Behörden und stellt auf ihrer Kampagnenwebsite "Clean Heat" Informationen zum richtigen Heizen mit Holz bereit

Kaminöfen und andere so genannte Kleinfeuerungsanlagen gehören in vielen Ballungsräumen in Deutschland und Europa zu den Hauptquellen von Feinstaub- und Rußpartikeln. Besonders in der Heizsaison belasten die Feuerungsanlagen nicht nur die Luft außerhalb des Hauses, sondern auch im Wohnraum und gefährden dadurch die Gesundheit der Stadtbewohner. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die Besitzer solcher Kaminöfen zur richtigen Bedienung der Anlagen auf. Zudem sollte vor allem in Gebieten mit hoher Luftbelastung komplett auf den Betrieb der 'Komfortfeuerstätten' verzichtet werden.

In Deutschland gibt es etwa elf Millionen Öfen und Heizkessel, die nahezu ausschließlich mit Holz befeuert werden. Kleinfeuerungsanlagen stoßen mittlerweile mehr feine Partikel aus als der Straßenverkehr, denn die meisten Dieselmotoren sind mittlerweile mit einem Partikelfilter ausgestattet. Für die meisten Emissionen sind mit Scheitholz betriebene Kaminöfen verantwortlich.

Im europäischen Vergleich sind die gesetzlichen Vorgaben für neue Öfen und Heizkessel in Deutschland zwar relativ streng. Allerdings werden diese durch eine lasche Typprüfung, beziehungsweise im Falle von Kesselanlagen durch hohe Messtoleranzwerte, entkräftet. Dies führt dazu, dass auch neue Öfen kein Garant für saubere Wärme sind. Noch problematischer ist die Situation im Hinblick auf die vielen Millionen Altanlagen. Deren Betrieb wird wegen zu hoher Schadstoffemissionen schrittweise verboten. Jedoch ist der Gesetzesvollzug mangelhaft, da die Stilllegung der Anlagen zu langsam umgesetzt wird.

Dazu Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung bei der DUH: "Der aktuell geltende Zulassungstest für Kaminöfen gaukelt eine in Wirklichkeit nicht existierende Idealsituation vor. In der Realität sind die Anlagen erheblich schmutziger als angegeben. Auch weil beispielsweise die Anheizphase nicht berücksichtigt wird, bei der besonders viele Schadstoffe entstehen." Saar weiter: "Verbraucher sollten daher zweimal überlegen, ob ein Kaminofen wirklich notwendig ist - vor allem wenn dieser lediglich als Zusatzheizung oder der Behaglichkeit dienen soll. In Ballungsräumen mit hoher Luftbelastung müssen solche Öfen komplett verboten werden ¬ und zwar nicht nur temporär, wie es in der deutschen Feinstaubhauptstadt Stuttgart derzeit nur halbherzig geplant ist." Ausnahmen dürfe es lediglich für Öfen geben, die nachweislich sauber und mit entsprechender Abgasreinigungstechnik, zum Beispiel Partikelfilter, ausgestattet sind. Zumal die Partikel aus der Holzverbrennung nicht nur aus gesundheitlicher Sicht problematisch sind: "Holzofennutzer glauben, etwas Gutes für das Klima zu tun, aber die Rußemissionen tragen stark zur Erderwärmung bei", betont Axel Friedrich, internationaler Experte für Luftreinhaltung.

In den kalten Monaten trägt das Heizen mit Holz in zahlreichen Regionen und Städten wie etwa Stuttgart dazu bei, dass die Luftbelastung deutlich über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt. Das Problem verschärft sich, wenn der Ofen falsch betrieben wird. Hierdurch können Staubmengen entstehen, die den aktuellen Grenzwert um das Hundertfache übertreffen, wie Untersuchungen aus der Schweiz zeigen. Der durch Fehlbedienung verursachte Rauch und Gestank führt überdies häufig zu Nachbarschaftskonflikten.

"Ein typischer Kaminofen fordert seine Besitzer: Das Scheitholz sollte trocken und sauber gelagert werden. Die optimale Menge Holz muss regelmäßig nachgelegt und die Luftzufuhr richtig eingestellt werden. Technische Lösungen wie eine Ofensteuerung oder ein Partikelabscheider unterstützen eine emissionsarme Verbrennung. Solange diese aber nicht zum Standard gehören, hat es alleinig der Betreiber in der Hand, den Ofen so zu nutzen, dass möglichst wenige Emissionen entstehen", erklärt Patrick Huth, Projektmanager Clean Heat. "Vielen Ofenbesitzern ist zudem nicht bewusst, dass das Heizen mit Holz auch in den eigenen vier Wänden die Luft belasten kann, beispielsweise beim Öffnen der Tür zum Nachlegen der Holzscheite oder durch undichte Anlagen aus qualitativ minderwertigem Material."

Die DUH stellt auf der Webseite www.clean-heat.eu die wichtigsten Tipps zum Umgang mit dem eigenen Kaminofen zur Verfügung. Dort finden Verbraucher außerdem weitere Hintergrundinformationen und einen Überblick über aktuelle Aktivitäten der EU-geförderten Kampagne "Clean Heat" der DUH. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine mobile Ausstellung auszuleihen und verschiedene Publikationen zu beziehen.

Pressekontakt:

Dorothee Saar, Bereichsleiterin Verkehr & Luftreinhaltung
030 2400867-72, 0151 16225862, saar@duh.de

Dr. Axel Friedrich, Internationaler Verkehrsberater
0152 29483857, axel.friedrich.berlin@gmail.com

Patrick Huth, Projektmanager Clean Heat
030 2400867-77, huth@duh.de

DUH-Pressestelle:
Daniel Hufeisen, Ann-Kathrin Marggraf, Laura Holzäpfel
030 2400867-20, presse@duh.de
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