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Indonesien: Fataler Trend zur frühen Heirat
Jugendliche heiraten freiwillig schon ab 12 Jahren

Hamburg (ots) - Der Bräutigam zählte 14 Lenze, seine Braut war erst zwölf: Von den Eltern arrangierte Hochzeiten im Kindesalter waren in Indonesien bis vor zwei Generationen ganz normal. Jetzt erlebt das frühe Ja-Wort in dem Inselstaat eine Renaissance: Immer mehr Mädchen und Jungen heiraten dort bereits im Alter von zwölf, 13 Jahren. Und das, obwohl das indonesische Gesetz vorsieht, dass Frauen sich mit 20, Männer sogar erst mit 25 Jahren vermählen dürfen. "Die Ursachen für den neuen Hang zur frühen Ehe sind vielfältig", hat Marianne M. Raven, Geschäftsführerin des Kinderhilfswerks PLAN INTERNATIONAL, beobachtet. So setzt sich ein moderner, lockerer Lebensstil auch in Indonesien durch. Immer eher finden sich Jungen und Mädchen als Paare zusammen. Und damit die noch traditionell orientierte Familie nicht das Gesicht verliert, wird eben geheiratet. Darüber hinaus herrscht unter den Jugendlichen ein immenser Gruppendruck. Irnawati, die mit 15 geheiratet hat, berichtet: "Alle meine Freundinnen hatten schon eine Beziehung, einige waren sogar schon verheiratet und hatten bereits Kinder. Sie piesackten mich ständig und sagten, ich würde noch eine alte Jungfer, weil mich niemand wollte." Heute gehen die jungen Leute die Ehe aufgrund anderer Motive ein als ihre Großeltern - zwar auf Druck der Familie, aber immerhin auch aus Liebe. Dennoch hat die frühe Ehe dieselben Folgen wie früher. Deshalb betrachten die Eltern den neuen Trend mit Argwohn. Denn ihre Generation war es, die sich endlich aus dem Teufelskreis der frühen Ehe und Mutterschaft befreite, um auf eigenen Beinen zu stehen. Heute jedoch brechen nahezu alle jungen Bräute zum Leidwesen der Eltern ihre Ausbildung ab. "Sie bringen sich damit um die Chance, später einmal einen Beruf zu ergreifen und selbstständig zu werden", sagt die Indonesien-Expertin von PLAN INTERNATIONAL, May Evers-Ludwig. Besonders in abgelegenen Regionen und in solchen, die keine weiterführenden Schulen haben, wird früh geheiratet. Murtini beispielsweise ging nach der 5. Klasse nicht mehr zur Schule und blieb die folgenden zwei Jahre zu Hause. Vor sechs Monaten heiratete sie - mit 13 Jahren. Das erste Kind ist wenige Wochen alt. Ihr Mann war in den vergangenen 30 Jahren mit 16 Frauen verheiratet. Er ließ sich jedes Mal scheiden, bevor er sich mit einer neuen Frau vermählte. Hat Murtini nicht Angst davor, von ihm sitzen gelassen zu werden? "Dann muss ich mein Schicksal annehmen", sagt sie ergeben. Im Klartext: Sie wird große Schwierigkeiten haben, ohne Ausbildung ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Allmählich werden jedoch in Indonesien immer mehr Stimmen laut, die gegen die Kinder-Hochzeiten votieren. Eine davon gehört dem Kinderhilfswerk PLAN INTERNATIONAL, das in dem Inselstaat mehrere Entwicklungs-Programme betreut und sich insbesondere für die Bildung und Ausbildung der Mädchen einsetzt. "Es muss allen Beteiligten klar gemacht werden, welche Folgen eine frühe Heirat haben kann. Denn sonst sind viele Bemühungen der vergangenen Jahrzehnte umsonst", sagt Geschäftsführerin Marianne M. Raven. ots Originaltext: PLAN INTERNATIONAL Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Pressekontakt: Kontakt: Katja Teske Tel.: 040-611 40-152; Fax: 040-611 40 140 teskek@plan.geis.com; www.plan-international.de Original-Content von: Plan International Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell

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