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Globale Energieversorger erwarten durch Deregulierung niedrigere Preise
Studie zeigt Zweifel an der Stabilität des Marktes in Krisenzeiten

    Sulzbach/Ts (ots) - Weltweit glauben über zwei Drittel aller Versorgungsunternehmen, dass die Deregulierung des Energiemarktes ein Erfolg war - selbst wenn die Akzeptanz in vielen Ländern in den Kinderschuhen steckt. Trotzdem herrscht Unsicherheit darüber, wie man unter den neuen Umständen bei unerwarteten Krisen reagieren soll. Aufgrund des stärkeren Wettbewerbs stehen die Reduzierung von Kosten und die Leistungsoptimierung im Vordergrund. Dies ergab die erste internationale Studie in der Versorgungswirtschaft von Cap Gemini Ernst & Young.          Um die Auswirkungen der Deregulierung auf weltweite Versorgungsunternehmen zu untersuchen, wurden mehr als 100 Entscheider aus über 85 Energieversorgungsunternehmen befragt. In Deutschland sind sechs Unternehmen, die die Struktur der Branche abbilden, befragt worden. Die Erhebung zeigt die zentralen Herausforderungen, denen sich Energie- und Versorgungsunternehmen aufgrund der globalen Deregulierung des Marktes stellen müssen. Im Einzelnen sind dies die Beseitigung der politischen und rechtlichen Hindernisse, Sicherung von Effizienz und Profitabilität, Verbindungen und freier Austausch zwischen den Teilmärkten sowie durch Erzeugungskapazitäten abgesicherter Handel.          "Durch die Deregulierung bei den Energieversorgern hat sich der Markt stark verändert. Es gibt klare Hinweise aus den betroffenen Unternehmen, dass die derzeitige Stimmung positiv ist", erläutert Dr. Frans Baumanns, Leiter des Geschäftsbereichs Energy, Utilities & Chemicals bei Cap Gemini Ernst & Young Zentraleuropa. "Viele begrüßen die Liberalisierung, die zu vielfältigen Veränderungen in den Unternehmen geführt hat - trotz verschiedener Geschwindigkeiten und mit unterschiedlichem Erfolg."          Wirtschaftliche Unsicherheit wird von den Befragten als Teil ihres neuen Marktes akzeptiert. Allerdings bestehen gegenüber den derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen immer noch erhebliche Bedenken, besonders wegen der mangelnden Klarheit bezüglich Marktregeln und Standards. So ist Deutschland zum Beispiel der einzige große Markt ohne Regulierungsbehörde. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller setzt hierzulande auf Vereinbarungen der Verbände und die Kontrolle durch die Kartellämter.

    Die Befragten gaben an, dass eine verlängerte Übergangsperiode mit
uneinheitlichen Signalen der Regulierungsbehörden ihre Zuversicht auf
eine effektive Marktregulierung gemindert hat. Der Versuch, Systeme
aufzubauen, die den Anforderungen einer sich ändernden Landschaft
gerecht werden, hat dazu geführt, dass viele Versorgungsunternehmen
verunsichert sind. Verbesserte Kontrollmethoden dieses
Regulierungssystems scheinen entscheidend zu sein, um das Vertrauen
wieder zu stärken.
    
    "Viele Ereignisse wie beispielsweise die "kalifornischen
Energiekrise", bei der Versorger des amerikanischen Bundesstaats
Elektrizität in Oregon und Kanada zugekauft werden musste, um die
Versorgung aufrecht zu erhalten, bankrotte Versorger oder die
Ungewissheit über die zukünftige Ausrichtung der Federal Energy
Regulatory Commission (FERC) und der Europäischen Kommission haben
das öffentliche Vertrauen in die Energieversorger weltweit
erschüttert", erklärt Baumanns. Doch seiner Ansicht nach ergeben sich
hierdurch unschätzbare Erfahrungen und Lernchancen, die man bei den
komplexen Herausforderungen seitens der Politik und Gesetzgebung
jetzt sehr gut einsetzen kann.
    
    Die Deregulierung soll eine spürbare Effizienzsteigerung bringen.
Die sichtbarste davon sollen niedrigere Preise sein. Allerdings haben
sich die erwarteten Preissenkungen nicht automatisch eingestellt, da
es Probleme bei Effizienz und Effektivität der Großhandelsmärkte und
den Preisstrukturen gab. Erfahrungen aus bereits regulierten Märkten
zeigen, dass Faktoren, welche die Markteffektivität negativ
beeinträchtigen, überwunden werden können.
    
    Darüber hinaus war vor allem in Europa die Mehrheit der
Führungskräfte der Ansicht, dass es durch die Deregulierung schwerer
wird, Gewinne zu machen. Eine Reihe von Märkten hat anfangs
erhebliche Preissenkungen erfahren, die sich allerdings nicht global
durchsetzten. In den USA beispielsweise hat eine stärkere
Orientierung des Angebots an der Nachfrage die Preise bei den
Großhandelsprodukten erhöht und die Gewinnspannen unter Druck
gesetzt. Als Ergebnis der langjährigen Erfahrung mit vorgelagerten
wirtschaftlichen Verhandlungen waren Gasunternehmen für die zu
erwartenden Preisschwankungen in diesem Fall besser gerüstet als die
hier weniger erfahrenen Elektrizitätskonzerne.
    
    Die Erhebung zeigte auch, dass eine überstimmende Forderung nach
stärkeren Verbindungen und Austausch zwischen den Märkten besteht.
Angesichts des zögerlichen Fortschritts haben die Befragten Zweifel,
dass die Kapazitätsprobleme und Fragen der Marktregeln schnell gelöst
werden können. Die globalen Versorgungsunternehmen haben zwei
Hauptanforderungen, um effektive Verbindungen zwischen den Märkten
sicherzustellen: Als Erstes sollte Europa dem Vorbild der Vereinigten
Staaten folgen, indem die Marktregeln sehr viel stärker
standardisiert werden. Als Zweites muss sich der Regelbildungsprozess
ändern. In Europa gibt es keinen einzelnen Regulator, während in den
Vereinigten Staaten Ungewissheit über das Zusammenspiel von Federal
Energy Regulatory Commission  (FERC) und der Regulierung der
einzelnen Bundesstaaten besteht. Eine engere Ausrichtung an die
Regulierungsagenda und eine klares Engagement von allen Seiten ist
hier erforderlich.
    
    Die Studie zeigt, dass die Bedeutung des Handels in den
deregulierten Märkten sehr hoch bewertet wird. Während aber viele
Unternehmen die Optimierung von Produktionskapazitäten als bevorzugte
Strategie angeben, besteht keine Einigkeit darüber, ob die Händler
durch die Rücksicherung mit vorhandenen Kapazitäten profitieren. Wenn
die Händler Vertrauen in die Großhandelsmärkte und
Transportarrangements haben, können sie profitabel handeln, ohne dass
konkrete physische Anlagen erforderlich sind. Die Befragung enthält
aber Hinweise darauf, dass dieses Vertrauen nicht vorhanden ist, und
Gesellschaften, die eigentlich für ihre Ausrichtung auf den Handel
bekannt sind, beginnen konkrete physikalische Portfolios aufzubauen.
    
    Bei der Deregulierung wird es Gewinner und Verlierer geben. Die
Teilnehmer der Umfrage hoben bestimmte Attribute hervor, die
ausschlaggebend für den Erfolg sind. Ganz oben auf der Liste steht
die Klarheit von Strategie und Ausrichtung, ein effektiver Einsatz
von Technologie sowie eine klare und engagierte Ausrichtung auf die
Kunden.
    
    Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal scheint allerdings die
Flexibilität und die Lern- und Anpassungsfähigkeit einer Organisation
zu sein. Baumanns: "Es besteht kein Zweifel, dass die Deregulierung
für alle Beteiligten eine große Herausforderung bedeutet. Wie die
Ergebnisse der Studie betonen, ist vieles jenseits der Kontrolle der
Unternehmen. Diejenigen, die diese Herausforderungen akzeptieren und
schnell übernehmen, werden als Sieger hervorgehen und von den
Vorteilen einer deregulierten Zukunft profitieren."
    
    Cap Gemini Ernst & Young
    Cap Gemini Ernst & Young ist eine der weltweit größten
Gesellschaften für Management- und IT-Beratung sowie die größte
Unternehmensberatung  europäischen Ursprungs. In Deutschland steht
das Unternehmen auf Platz zwei. Cap Gemini Ernst & Young bietet
Strategie-, Management- und IT-Beratung, Systemintegration sowie
Outsourcing auf globaler Ebene. Darüber hinaus werden Unternehmen bei
der Entwicklung und Umsetzung von Wachstumsstrategien in der New
Economy beraten. Die neu geformte Organisation beschäftigt weltweit
mehr als 60.000 Mitarbeiter und erzielte 2000 einen Pro-forma-Umsatz
von rund 8,5 Milliarden Euro. Mehr Informationen zu Cap Gemini Ernst
& Young, den Dienstleistungen und Pressemitteilungen finden Sie unter
www.de.cgey.com.
    
    
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