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Aktuelles Weißbuch Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern
Experten fordern Verbesserungen, denn viele Schlaganfälle und deren Folgen könnten vermieden werden

Aktuelles Weißbuch Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern / Experten fordern Verbesserungen, denn viele Schlaganfälle und deren Folgen könnten vermieden werden
Aktuelles Weißbuch Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern / Experten fordern Verbesserungen, denn viele Schlaganfälle und deren Folgen könnten vermieden werden / Hans-Holger Bleß, Apotheker, Leiter des Bereichs Versorgungsforschung / IGES Institut Berlin / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/113164 / Die Verwendung dieses ...

Leverkusen (ots) - Ein Schlaganfall ist für Betroffene und deren Angehörige ein einschneidendes Ereignis, denn oft führt er zum Tod oder bleibenden Behinderungen. In vielen Fällen könnten Schlaganfälle durch eine bessere Früherkennung von Vorhofflimmern und Prävention von Blutgerinnseln vermieden werden. Das geht aus dem aktuellen Weißbuch "Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern" des Forschungsinstituts IGES hervor. Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern wird als Risikofaktor für Schlaganfälle immer noch unterschätzt. Das Weißbuch zeigt, dass Vorhofflimmern zu selten oder zu spät erkannt und häufig nicht angemessen behandelt wird.

Hans-Holger Bleß, Leiter des Bereichs Versorgungsforschung am IGES-Institut, erläutert die wichtigsten Erkenntnisse und Konsequenzen aus dem Weißbuch:

Was versteht man unter Vorhofflimmern?

Bleß: Vorhofflimmern (VHF) zählt zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen im Erwachsenenalter. Dabei schlagen die Vorhöfe des Herzens mit sehr viel höherer Frequenz als normal und können sich nicht mehr effektiv zusammenziehen. Dadurch wird der Bluttransport gestört, sodass es zur Bildung von Blutgerinnseln im Herzen kommen kann. Wenn sie sich lösen und in die gehirnversorgenden Blutgefäße gelangen, droht ein Gefäßverschluss, ein ischämischer Schlaganfall. Patienten mit VHF haben ein fünffach erhöhtes Schlaganfall-Risiko.

Wie viele Menschen in Deutschland sind von VHF betroffen?

Bleß: Aktuellen Schätzungen zufolge sind rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland an VHF erkrankt, mehrheitlich im höheren Lebensalter. Es dürfte aber viele weitere Patienten geben, die nichts von ihrem VHF wissen. Das liegt unter anderem daran, dass der Patient häufig bei VHF keine Symptome verspürt. Darüber hinaus rechnen Experten damit, dass die Zahl der Erkrankten aufgrund der demografischen Entwicklung steigt. Damit nicht auch die Zahl der Schlaganfallpatienten zunimmt, müssen möglichst viele VHF-Patienten erkannt und vorbeugend behandelt werden.

Wie sehen die Folgen eines schweren Schlaganfalls aus?

Bleß: Der Schlaganfall gehört in Deutschland zu den häufigsten Ursachen für Tod und bleibende Behinderung. Etwa jeder Dritte mit einem erstmaligen Schlaganfall stirbt innerhalb eines Jahres. Die anderen leiden häufig ihr Leben lang an den Folgen wie beispielsweise einer Halbseitenlähmung, Sprachstörungen oder eingeschränkten Gedächtnisleistungen. Untersuchungen zeigen, dass Schlaganfälle infolge eines VHF oft besonders schwer verlaufen.

Was bedeutet dies für das Gesundheitssystem?

Bleß: Schlaganfälle belasten das Gesundheitssystem sehr stark. Allein die direkten Krankheitskosten, die für die Behandlung oder für Rehabilitationsmaßnahmen entstehen, betragen im Schnitt 43.000 Euro pro Patient. Laut Statistischem Bundesamt entfallen rund 30 Prozent der direkten medizinischen und nicht-medizinischen Kosten in der Behandlung von Schlaganfällen auf den stationären Sektor. Ein weiteres Drittel der Kosten entsteht durch Pflegebedürftigkeit der betroffenen Patienten. Umso wichtiger ist es, Schlaganfällen vorzubeugen. Würde man entsprechende Maßnahmen ausweiten, könnten in Deutschland jährlich rund 9.400 Schlaganfälle vermieden werden.

Werden die Empfehlungen zur Schlaganfallprävention in der Praxis ausreichend berücksichtigt?

Bleß: Unsere Analyse im Weißbuch zeigt, dass bis zu 43 Prozent der VHF-Patienten nicht oder nicht ausreichend mit präventiven Medikamenten versorgt sind. Ein möglicher Grund ist, dass Patienten mehr Angst vor medikamentös bedingten Nebenwirkungen haben als vor einem Schlaganfall und daher die Therapie ablehnen oder ihre Medikamente nicht einnehmen. Patienten sollten darüber mit ihrem Arzt sprechen. Der Arzt wird eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung vornehmen. In vielen Fällen überwiegt der Nutzen einer Schlaganfallprävention.

Was muss passieren, damit sich die Versorgungssituation von VHF-Patienten bessert?

Bleß: Aus unserer Sicht müsste VHF häufiger und früher als bisher erkannt werden.

Dazu gehört beispielsweise für alle Patienten ab 65 Jahren das Tasten des Pulses mit anschließendem EKG bei unregelmäßigem Puls. Darüber hinaus sollten Patienten sachlich und verständlich über die Risiken des VHF und den Nutzen einer Behandlung zum Schutz vor Schlaganfällen aufgeklärt werden. Und schließlich könnten gezielte Betreuungsangebote wie beispielsweise ein Arzneimittelcoach dafür sorgen, dass Patienten ihre Medikamente so wie verordnet einnehmen.

Wie können Menschen mit VHF selbst dazu beitragen, das Schlaganfallrisiko zu senken?

Bleß: Zum einen können sie dazu beitragen, dass das VHF überhaupt entdeckt wird; nämlich indem sie ihre Pulsfrequenz hin und wieder selbst messen. Zum anderen können sie ihr Schlaganfallrisiko senken, indem sie einen gesunden Lebensstil einhalten und zusätzliche Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Zucker- und Fettstoffwechselstörungen behandeln lassen.

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