Otto Brenner Stiftung

Otto Brenner Stiftung zeichnet zum 12. Mal herausragenden Journalismus aus

Frankfurt (ots) -

+++ "Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus" geht 2016 an 
Frederik Obermaier und Bastian Obermayer ("Panama Papers") +++ Jury 
zeichnet Arno Widmann (DuMont Hauptstadtredaktion) für sein 
Lebenswerk mit dem "Spezial"-Preis aus +++ Newcomer-Preis erhält für 
eine multimediale "taz"-Reportage die freie Journalistin Laura 
Meschede +++ "FragDenBundestag.de" wird mit dem Medienprojektpreis 
ausgezeichnet +++ Preisverleihung findet am 15. November in Berlin 
statt +++ Festrednerin 2016 ist Mely Kiyak, Publizistin und Autorin 
+++

Den mit 10.000 Euro dotierten 1. Preis des "Otto Brenner Preises für 
kritischen Journalismus" erhalten 2016 Frederik Obermaier und Bastian
Obermayer von der Süddeutschen Zeitung (SZ) für ihre besondere Rolle 
bei den Recherchen und der Veröffentlichung der "Panama Papers - Die 
Geheimnisse des schmutzigen Geldes".

Die "Panama Papers" sind nach Auffassung der Brenner-Jury eine 
journalistische Großtat, ein Unikat, was die internationale Dimension
der Enthüllungen angeht, und sie sind der Superlativ des 
transnationalen Journalismus, weil hier mehr als 400 Journalisten 
höchst konzentriert und verlässlich verschwiegen zusammengearbeitet 
haben. Für die Jury bleibt jedoch die Leistung der beiden SZ-Reporter
Bastian Obermayer und Frederik Obermaier "singulär". Sie haben ihr 
Reporterglück - "John Doe" wandte sich zuerst und exklusiv an sie - 
"durch unermüdliche Gegenrecherche perfekt in einen Scoop von 
globaler Reichweite und mit noch unabsehbaren Folgen verwandelt", 
urteilt die Jury in der Begründung für den ersten Preis. Die 
Zeitungsserie über die "Panama Papers" besticht nicht zuletzt durch 
die redaktionelle Orchestrierung, mit der die Süddeutsche Zeitung die
skandalösen Neuigkeiten seit dem 4. April 2016 raffiniert dosiert an 
die Öffentlichkeit gebracht hat. Schlag auf Schlag seit April und 
anhaltend bis heute: "Journalismus als Hochleistungssport", so das 
Urteil der Jury. Ihren Ruf, die einzige deutsche Weltzeitung zu sein,
hat die SZ nach Meinung der Jury mit "dieser großartigen 
Mega-Investigation hervorragend beglaubigt".

Der 2. Preis (5.000 Euro) geht an Julia Fritzsche (Bayerischer 
Rundfunk) und den freien Journalisten Sebastian Dörfler für das 
Radiostück "'Prolls, Assis und Schmarotzer' - Warum unsere 
Gesellschaft die Armen verachtet" (Bayerischer Rundfunk, Bayern 2, 
19. Juli 2015).

Bis heute gelingt es weder Politik noch Medien, weder Institutionen 
noch Aktivisten, tatsächliche Armut mit allen Ausprägungen genau zu 
fassen. Gesagt wird nur, dass es Arme in Deutschland vergleichsweise 
gut haben, weil ein Fürsorgenetz sie vom Allerschlimmsten bewahrt. 
Arme haben keine Lobby, keine Sprecher. Armut ist Scham, eine Ziffer,
ein Aktenzeichen, eine Zahl in der Statistik. Die Autoren Julia 
Fritzsche und Sebastian Dörfler gehen für die Jury dieses große Thema
"beherzt, gleichzeitig streng an: Abbilden, analysieren, einordnen - 
und Verantwortliche benennen". Das Radiofeature arbeitet mit Collagen
und harten Schnitten und verwebt so den Kammerton, der in dieser 
Leistungsgesellschaft vorherrscht. Das Autorenteam wird von der Jury 
für "beste journalistische Tugenden" gelobt.

Mit dem 3. Preis werden Matthias Krupa und Caterina Lobenstein für 
"Ein Mann pflückt gegen Europa" ausgezeichnet. Der Beitrag ist am 17.
Dezember 2015 in DIE ZEIT erschienen. Das Preisgeld beträgt 3.000 
Euro.

Seit Jahren fordern die Regierungen der EU-Staaten, es gelte, die Not
zu bekämpfen, die Flüchtlinge nach Europa treibt. Doch die Politik 
der Europäischen Union in Afrika ist selbst eine der zentralen 
"Fluchtursachen". Nach Auffassung der Jury beschreiben Matthias Krupa
und Caterina Lobenstein diesen Zusammenhang "wie noch niemand vor 
ihnen" in ihrem Beitrag "Ein Mann pflückt gegen Europa". Die 
vorbildlich recherchierte Geschichte eines ghanaischen Tomatenbauern 
und seiner in "sklavenähnlichen" Verhältnissen lebenden Landsleute 
auf einer italienischen Tomatenplantage macht verständlich, wie die 
erzwungene Öffnung der Agrarmärkte in wirtschaftlich schwachen 
Ländern Not und Vertreibung erzeugen. Die Autoren, so die Jury, 
"lüften vorbildlich den Schleier der Komplexität", hinter dem die 
wahren Interessen in der Handelspolitik zumeist verborgen werden. Sie
leisten genau das, so die Jury in ihrer Begründung für die 
Preisvergabe, "was die Aufgabe von kritischem Journalismus ist".
	
Der "Spezial"-Preis, dotiert mit 10.000 Euro, geht in diesem Jahr an 
Arno Widmann. Die Jury zeichnet einen "der klügsten, der scharf- und 
eigensinnigsten Journalisten der Republik" mit diesem besonderen 
Preis aus. Widmann kann auf eine außerordentliche journalistische 
Biografie mit zahlreichen beruflichen Stationen und vielfältigen 
Aufgaben zurückschauen: Er war Mitgründer der taz, war dort 
Literaturredakteur, einige Zeit auch Chefredakteur, er war 
stellvertretender Chefredakteur der deutschen Vogue, Feuilletonchef 
der ZEIT, Chef der Meinungsseite der Berliner Zeitung und 
Feuilletonchef der Frankfurter Rundschau - heute ist der inzwischen 
70-jährige Autor im DuMont-Hauptstadtbüro. Für die Jury ist Arno 
Widmann "ein unermüdlich neugieriger und ein politischer 
Feuilletonist". Sie ehrt mit dem Preis einen eher untypischen 
Journalisten, "der den Weg zur Aufklärung mit Fragen pflastert." 

Den Newcomer-Preis, dotiert mit 2.000 Euro, erhält die freie 
Journalistin Laura Meschede für die Online-Dokumentation "Kein 
Platz", die am 7. April 2016 auf "taz.de" erschienen ist.

Laura Meschede besucht Roma in Mazedonien. Am Rande Skopjes, im 
lebendigen, unübersichtlichen, fremden Stadtteil Suto Orizari. Hier 
ist Europas größtes Roma-Viertel. Gerne wird diese riesige 
"Minderheit" vergessen, verdrängt, vernachlässigt - nicht jedoch von 
der jungen Reporterin. Sie lebt mit den Menschen in Suto Orizari, 
drei Monate lang hört sie ihnen zu und lässt sich nicht von Klischees
und Vorurteilen ablenken. Für die Jury ist dabei "eine dichte 
Webreportage entstanden, Empathie ohne Kitsch: Fotos, Clips, schöner 
Schreibstil, nützliche Grafiken mit vielen Hintergrundinformationen".
Laura Meschede, so die Jury weiter in der Begründung, "versteht sich 
stilsicher aufs digitale Erzählen und Erklären und rückt eine so oft 
diskriminierte Bevölkerungsgruppe mitten in unsere Aufmerksamkeit: 
modern und ernsthaft und ohne Schwere". Diese Arbeit über ein 
wichtiges Menschenrechtsthema zeigt für die Jury, "wie gut es ist, 
wenn alte Themen neu erzählt werden".

Im Wettbewerb um die Brenner-Preise zeichnet die Jury auch innovative
und wegweisende Medienprojekte aus. 2016 geht der Medienprojektpreis,
dotiert mit 2.000 Euro, an das Online-Projekt "FragDenBundestag.de".

"Macht ist die Schaffung von Ungewissheitszonen" - dieses erste Gebot
von Verwaltung und Politik haben, so die Jury, die Macher des 
Medienprojekts www.fragdenbundestag.de mit "List und Leidenschaft 
außer Kraft gesetzt". Ihre Beharrlichkeit hat sich gelohnt. Nicht nur
für die steuerzahlenden Bürger und Bürgerinnen, die wissen wollen, 
was und was nicht in den tausenden Gutachten dokumentiert ist, die 
der Bundestag den Abgeordneten regelmäßig auf Anfrage liefert. Mit 
diesem Medienprojekt, so die Jury weiter, "verwandelt sich abstrakte 
Transparenz in konkrete Wissensvermehrung". Die Brenner-Jury zeichnet
ein "vorbildliches Medienprojekt" aus, das noch eine produktive 
Nebenwirkung für den parlamentarischen Betrieb hat. Denn nicht alle 
Gutachten zu allen denkbaren Sachfragen halten die Qualität, die sie 
versprechen. "Die erzwungene öffentliche Kontrolle", so die Hoffnung 
der Jury, "spornt die Gutachter nun sicher an, im Sinne von Bürgern 
und Politikern noch mehr Substanz zu liefern." Mit 
fragdenbundestag.de ist die bürokratisch verriegelte 
Transparenz-Politik nach Auffassung der Jury "wieder einen Spalt 
weiter geöffnet worden".

Neben diesen Preisen werden von der Otto Brenner Stiftung auch 
Recherche-Stipendien vergeben, die mit jeweils 5.000 Euro dotiert 
sind. Die Stipendien ermöglichen es, frei von ökonomischen Zwängen 
und mit professioneller Begleitung von erfahrenen "Mentoren", 
innovative und vielversprechende Projektthemen vertieft zu 
recherchieren und zu realisieren.

In diesem Jahr war die Jury nur von einem Antrag auf ein 
Recherche-Stipendium überzeugt. Der freie Journalist Philipp Haaser 
greift das Thema "Stadtentwicklung, Wohnungsbau, Kommunalpolitik" auf
und recherchiert am Beispiel der Millionenstadt Köln, "wer vom 
dortigen Bauboom profitiert".

Die Vergabe von Recherche-Stipendien und die intensive Betreuung der 
Gewinner durch profilierte Journalisten gehören zum Markenkern des 
Brenner-Preises. Inzwischen liegen fast 30 erfolgreich 
abgeschlossene, zum Teil spektakuläre Recherche-Ergebnisse vor, die 
in renommierten Medien erschienen sind. Die Gewinner der 
Ausschreibung 2015 (siehe www.otto-brenner-preis.de) werden über die 
teils außergewöhnlichen Ergebnisse und ihre persönlichen Erfahrungen 
mit den Recherchen bei der diesjährigen Preisverleihung berichten.

Die Preisverleihung findet am 15. November in Berlin statt (Hotel 
Pullman Berlin, Schweizerhof). Anja Höfer, TV- und 
Hörfunk-Journalistin (SWR), moderiert die Festveranstaltung. Neben 
den Preisträgern und den Mitgliedern der Jury, die laudatieren 
werden, erwartet die Otto Brenner Stiftung mehr als 350 Gäste.

Die Otto Brenner Stiftung der IG Metall verleiht den "Otto Brenner 
Preis für kritischen Journalismus" 2016 zum zwölften Mal. Prämiert 
werden journalistische Arbeiten, die das Motto der Ausschreibung 
"Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten" in ihren Beiträgen
beispielhaft umgesetzt haben. Aus über 550 Bewerbungen wählte die 
Jury am 20. September in Frankfurt a.M. die Preisträger in fünf 
Kategorien. Das Preisgeld beträgt 2016 insgesamt 37.000 Euro.

Mitglieder der Jury des Otto Brenner Preises 2016 sind Sonia Seymour 
Mikich (Chefredakteurin Fernsehen, WDR), Prof. Dr. Thomas Leif 
(SWR-Chefreporter), Prof. Dr. Volker Lilienthal 
(Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Qualitätsjournalismus, 
Universität Hamburg), Prof. Dr. Heribert Prantl (Innenpolitik-Chef 
und Mitglied der Chefredaktion, Süddeutsche Zeitung), Harald Schumann
(Redakteur für besondere Aufgaben, Der Tagesspiegel) sowie Jörg 
Hofmann (1. Vorsitzender der IG Metall und 
OBS-Verwaltungsratsvorsitzender).

Informationen zu den prämierten Beiträgen und den diesjährigen 
Preisträgern haben wir auf www.otto-brenner-preis.de 
zusammengestellt. Hier finden Sie auch weitere Informationen zum 
"Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus", zur diesjährigen 
Preisverleihung, zur Festrede, über alle Preisträger und die 
Preisverleihungen seit 2005 sowie zu den Mitgliedern der Preis-Jury. 

Pressekontakt:

Otto Brenner Stiftung
Jupp Legrand
Geschäftsführung
Tel.: (069) 6693-2810
info@otto-brenner-stiftung.de

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