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Schwäbische Zeitung: Leitartikel zum Al-Bakr-Suizid: Eine Panne ist noch kein Skandal

Ravensburg (ots) - Die kriegen ja überhaupt nichts auf die Reihe, die Sachsen ... Diesen - auch von Medien befeuerten - Eindruck kann gewinnen, wer die unschönen Nachrichten der vergangenen Tage und Wochen aus Chemnitz, Dresden und Leipzig einfach in ein Sammelsurium staatlichen Versagens ummünzt. Empfehlenswert wäre aber ein wenig Vorsicht und Zurückhaltung bei der Beurteilung. Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass es den Behörden in Sachsen gelungen ist, einen möglicherweise fürchterlichen Terroranschlag in Deutschland zu verhindern. Sie haben den Tatverdächtigen identifiziert, das ist ein Erfolg polizeilicher und staatsanwaltlicher Arbeit. Dass der Mann dann zunächst entkommen konnte? Ja, es sieht stümperhaft aus, aber die schärfsten Kritiker des missratenen Einsatzes wären auch die Empörtesten gewesen, wenn Unbeteiligte zu Schaden gekommen wären. Kurz: So etwas kann auch Spezialisten passieren.

Nun hat sich dieser 22-jährige Mann in seiner Gefängniszelle erhängt, und die Wogen der Empörung schlagen noch höher. Der zuständige Minister müsse zurücktreten, meinen reflexartig die Grünen, weil er schließlich die politische Verantwortung trage für ein ganz schlimmes, unbegreifliches Versagen seines Justizvollzugsdienstes. War es das wirklich? Eher nicht. Nach aktuellem Kenntnisstand hat das Gefängnispersonal in Leipzig getan, was es tun konnte und musste. Eine erfahrene Psychologin hat eben keine akute Suizidgefährdung des Untersuchungsgefangenen attestieren können. Weshalb hätte er also noch stärker überwacht werden sollen? Erst jetzt weiß man: Sie hat sich getäuscht. Im übrigen kann kein Gefängnispersonal der Welt dauerhaft verhindern, dass einem zum Freitod Entschlossenen die Tat gelingt.

Schließlich: Nicht jede Panne ist gleich ein Skandal. Das gilt auch für den Freistaat Sachsen. In Zeiten, in denen Wutbürger und Verschwörungstheoretiker Hochkonjunktur haben, können Überdramatisierungen und Empörungsrituale eine besonders schädliche Wirkung entfalten. Das muss nicht sein.

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