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Schwäbische Zeitung: "Normalität neu denken", Kommentar inklusive Beschulung

Ravensburg (ots) - Die damalige grün-rote Landesregierung hat nach mehr als 40 Jahren Schluss gemacht mit der Sonderschulpflicht für Kinder mit speziellen Bedürfnissen. Seit diesem Schuljahr zählt allein der Elternwunsch. Sie entscheiden, ob ihr Kind an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum oder an einer Regelschule die beste Förderung erfährt. Diese gute Idee basiert auf der Behindertenrechts-Konvention der Vereinten Nationen, Chancengleichheit und Teilhabe sind damit Menschenrechte. Doch es gibt Mängel in der praktischen Umsetzung.

310 Millionen Euro soll das Land in 4700 sonderpädagogische Stellen investieren, um ein Zwei-Lehrer-Prinzip in allen inklusiven Klassen einzuführen. Diese Forderung des Verbands Bildung und Erziehung ist unrealistisch, weil viel zu teuer - auch wenn diese Art der inklusiven Beschulung für die Kinder wohl die beste Förderung wäre. Ebenso unwahrscheinlich ist aber auch, an jeder noch so kleinen Schule Inklusion zu ermöglichen - zumindest so lange, bis die Lehrer ausreichend qualifiziert sind.

In der Lehrerausbildung hat sich schon etwas getan, sonderpädagogische Inhalte sind bereits Bestandteil des Studiums geworden. Viel schneller und umfänglicher müssen aber auch die Lehrer, die seit Jahren im Beruf sind, eine fundierte Fortbildung erhalten - nicht nur wie bisher zweieinhalb Tage. Auch das kostet Geld, allerdings keine 310 Millionen Euro. Hier muss das Land stärker investieren.

Bewegen muss sich aber auch die Gesellschaft insgesamt - besonders die Eltern. Der Begriff von Normalität muss neu gedacht werden. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, deshalb dürfen Defizite oder Behinderungen nicht mit einem Stigma belegt werden. Ist dieser Schritt gedanklich vollbracht, verlieren auch die Förder- und Sonderschulen ihren Schrecken, den sie auf manche Eltern ausüben. Sie müssen erkennen, ob ihr Kind an solch einer Schule nicht vielleicht doch die bessere Förderung erfährt als an einer Regelschule.

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