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Schwäbische Zeitung: "Merkel muss den Weg zeigen" - Leitartikel zum Flüchtlingsthema in Deutschland

Ravensburg (ots) - Geht es um Flüchtlinge, fordern alle Parteien immer irgendetwas. Nur von wem, fragt man sich. Von der Gesellschaft? Der EU? Der Weltgemeinschaft? Da die Koalitionspartner im Bund dann in den Ländern auch mal Gegner sind, will man einander nicht wehtun und bleibt im Ungefähren.

Aber die Politik muss beim Thema im Geschäft bleiben und Vorschläge machen. Dabei sind manche dieser Ideen so bar jeden Realitätssinns, dass man sich fragen muss, ob die Vorschlagenden ihre Gedanken eigentlich zu Ende denken, bevor sie sich in Fernseh-Talkshows setzen.

Die CSU, in Gestalt ihres Generalsekretärs, wärmt gerade mal wieder eine Idee auf, die Bundesinnenminister de Maizière schon mal vor Monaten äußerte, dann aber nie wiederholte: Asylzentren, unter anderem in Nordafrika, sollen es richten. Da könnten dann deutsche Beamte in nicht eben stabilen Staaten wie Libyen und Ägypten über Anträge entscheiden. Und jene, die abgelehnt werden? Sollen die zur Heimkehr durch die Sahara aufgefordert werden?

Die CSU macht es mit solchen Vorschlägen im Übrigen auch jenen Zeitgenossen im Südwesten leicht, die naseweis über bürgerkriegsähnliche Zustände in Deutschland schwadronieren. Nein, die werden nicht kommen. Aber dieses Land wird sich verändern. Wenn im Jahr 2015 allein 800 000 Asylanträge gestellt werden, kommt rechnerisch ein Asylbewerber auf 100 Bundesbürger.

Wenn ein Land sich aber verändert und obendrein noch alle durcheinander reden, braucht es eine ordnende Hand. Führung wäre schön in diesem ganzen Flüchtlings-Tohuwabohu. Vielleicht von der Kanzlerin? Führung hieße dann übrigens nicht, Steuermilliarden anlässlich von Flüchtlingsgipfeln zu verteilen. Sondern deutlich zu machen, wofür dieses Land steht und wohin es will.

Ein Scheuer von der CSU kann da so wenig überzeugen wie ein Kauder, dem Merkel das Flüchtlingsthema gerne überlassen würde. Nein, sie selbst muss reden, ordnen, den Weg zeigen.

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