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Schwäbische Zeitung: Endlich Frieden bei der Bahn - Leitartikel

Ravensburg (ots) - Es wurde auch Zeit, diese Auseinandersetzung endlich zu beenden. Der einjährige Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn hatte mit neun Streiks Fahrgäste wie Wirtschaft in erhebliche Schwierigkeiten gebracht und das Image der Bundesrepublik als wohl organisiertes und effizientes Land beschädigt. Die Bahn wie die Lokführergewerkschaft GDL sehen sich nun als Sieger. Sei's drum. Zu allererst können die Bahnkunden aufatmen. Sollten sie trotz der tristen Erfahrungen der jüngsten Zeit mutig einen Urlaub per Bahnreise geplant haben, können sie ihre Ferien nun unbeschwert beginnen. Auch Pendler brauchen sich über ihren Weg zur Arbeit auf längere Sicht keine Sorgen mehr zu machen. Und die Unternehmen können wieder seriös disponieren, sie müssen keine Lieferengpässe mehr befürchten.

Es scheint, als gäbe es plötzlich überall nur Gewinner. Mit Sicherheit gehört auch Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow dazu. Mit Geschick hat der frühere Gewerkschafter die Schlichtung vorangebracht, und nach dem jetzt erzielten Erfolg kann niemand mehr den ersten Ministerpräsidenten der Linken in Deutschland als "Bürgerschreck" bezeichnen.

Im vergangenen Jahr konnte der Eindruck entstehen, dass der GDL-Ausstand Vorbildcharakter für andere Branchen hatte. Auch wenn im internationalen Vergleich nach wie vor wenig in Deutschland gestreikt wird, so wirkte doch der Pilotenstreik gemeinsam mit dem Bahnstreik im Ausland verheerend und ramponierte in der globalisierten Geschäftswelt das Ansehen des exportabhängigen Landes. Dass nun auch die Post seit Wochen bestreikt wird, rundet das Negativ-Bild von der Streikrepublik Deutschland ab.

Doch vielleicht wendet sich dank des Durchbruchs bei der Bahn die Lage. Die Lufthansa nimmt die Verhandlungen mit den Flugbegleitern wieder auf. Befürchtete Streiks sind so bis Mitte Juli vom Tisch, da auch die Piloten derzeit Schlichtungsgespräche führen. Für Deutschland wäre es gut, wenn wieder Verlässlichkeit zu einer Tugend würde.

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