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Schwäbische Zeitung: Die Kleinen trifft es zuerst
Leitartikel

Ravensburg (ots) - Viele Milchbauern fürchten den Fall der Milchquote und die Öffnung des Milchmarktes: Sie haben Angst vor einem Preissturz. Seit 1984 hat die europäische Milchquote wie ein Deckel gewirkt, der die sprudelnde Produktionskraft der Milchhersteller von der Überproduktion abhielt. Zustände, wie sie vor der Quote herrschten, werden nun wieder befürchtet: die Milchseen und die Butterberge, die sich in den 1970er- und 1980er-Jahren ansammelten.

Nun stehen schon die großen Milchbetriebe - in Deutschland vor allem im Norden und Osten zu finden - in den Startlöchern, um den Milchhahn aufzudrehen. Zu viel Angebot macht aber den Preis kaputt. Discounter wie Aldi und Lidl werden das weidlich ausnutzen. Wenn die Bauern ihre Milch dann fast verschenken müssen, geben zuerst die kleinen auf. Und die sitzen vor allem in Süddeutschland.

Verteidiger des offenen Milchmarktes merken dagegen zurecht an, dass die Milchquote die Überproduktion zwar gedämpft, aber nicht komplett verhindert hat. Der Preis schwankte trotz Quote stark: Entweder fiel er, weil italienische Milchbauern überproduzierten und lieber Strafe zahlten, statt zu drosseln. Oder der Milchpreis stieg wieder, weil in Neuseeland, dem weltweit wichtigsten Milchexporteur, eine Dürre herrschte.

Die Quotengegner betonen zudem, dass die Marktöffnung neue Chancen biete. Man könne nach Asien exportieren. Doch neue Chancen bergen auch neue Risiken. Wer Export fordert, muss auch Import zulassen. Und: Milchbauern werden künftig noch viel mehr vom Vermarktungs-Geschick ihrer Molkerei abhängig sein. Ob regionale Nischenprodukte à la Alpen-Heumilch da ausreichen, bleibt fraglich.

Das schwächste Glied in der Kette bleiben die kleinen Milchviehhalter in Bayern und Baden-Württemberg. Wer diese traditionell gewachsene kleinbäuerliche Struktur erhalten will, sollte sich für eine finanzielle Unterstützung derselben einsetzen, und sei es nur durch den Kauf regionaler Milchprodukte.

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