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Schwäbische Zeitung: Israels falsches Maß

Ravensburg (ots) - Deutsche Politiker sprechen oft von Israels Recht auf Selbstverteidigung. Besonders dann, wenn unser Partner im Nahen Osten unverhältnismäßig reagiert, so wie jetzt im Gazakrieg. Natürlich hat Israel ein Recht auf Selbstverteidigung. Leider schweigen die meisten deutschen Politiker zur Wahl der Mittel, mit denen gegen die Bewohner des Gazastreifens vorgegangen wird. Das ist ungeschickt, um es vorsichtig zu sagen.

Von Joschka Fischer, einem großen Freund Israels, stammt der Satz, dass Freunde, die einander nicht kritisierten, keine seien. Deutschland versteht sich, historisch wie kulturell, als Partner Israels. Diesen zu kritisieren, seine Aktionen zu hinterfragen, hat nichts mit dem tumben Antisemitismus zu tun, der sich dieser Tage in Deutschland und Frankreich Bahn bricht.

Über 500 Palästinenser, viele von ihnen Frauen und Kinder, sind in den vergangenen Tagen bei israelischen Luftangriffen und während des Häuserkampfes zu Tode gekommen. Natürlich bauen die Strategen der Hamas ihre Raketenrampen kaltblütig in die Nähe von Schulen und in dicht besiedeltes Gebiet. Natürlich ist jeder palästinensische Tote ein Propagandaerfolg für die Hamas, die sich als einzig verlässliche soziale und militärische Kraft präsentiert.

Wenn aber Kinder und WM-Zuschauer am Strand von Gaza getötet werden, stimmt etwas nicht in der israelischen Strategie. Für Israel sollte es darum gehen, die Raketen zu zerstören und die Tunnel zu unterbrechen. Das rechtfertigt keine Angriffe auf Krankenhäuser oder den Tod gesamter Familien.

Es wiederholt sich, was schon bei früheren Auseinandersetzungen im Gazastreifen und in der Westbank geschah: Auf terroristische Angriffe wird mit präzisen Schlägen geantwortet, aber auch mit brachialer Gewalt.

In der deutschen Politik wird dagegen weiter das Selbstverteidigungsrecht Israels unterstrichen. Dabei haben Politik wie Medien der Menschlichkeit Wort und Gestalt zu geben, nicht die Tötung von Zivilisten schönzureden.

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