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Schwäbische Zeitung: Es kommt aufs Programm an - Kommentar

Ravensburg (ots) - Im Jahr 2004 haben die CDU-Mitglieder erstmals über die Führung in Baden-Württemberg entschieden. Damals ging es um den Parteivorsitz und das Amt des Ministerpräsidenten. Annette Schavan gegen Günther Oettinger - der vermeintlich konservative Parteiflügel gegen die junge Garde der Modernisierer. Wie mit dem damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel umgegangen wurde, missfällt bis heute vielen an der Basis. Der Riss, der sich damals in der Partei auftat, scheint bis heute nicht ganz geschlossen. Nun feiern sich die Unions-Granden ob ihrer basisdemokratischen Neigungen und machen aus der Not eine Tugend. Die Parteimitglieder sollen erneut bestimmen, wer denn nun die CDU im Lande in den Wahlkampf führen und - falls das Ergebnis stimmt - neuer Regierungschef in Baden-Württemberg werden wird. Vielleicht ist die Einbeziehung der Basis die beste aller Möglichkeiten in einer recht verfahrenen Situation. Denn drei Jahre nach der historischen Wahlniederlage gegen Grün-Rot hat die Union ein Personalproblem: Sie hat keinen wirklich profilierten Spitzenmann, keinen, der die unangefochtene, quasi natürlich nachgewachsene Nummer eins wäre. Guido Wolf ist ein beliebter und volksnaher Landespolitiker, ein Programm sucht man bei ihm bisher aber vergebens. Thomas Strobl ist ein versierter Bundespolitiker, der den Eindruck verwischen muss, Landespolitik sei ihm im Tiefsten doch zu viel kleines Karo. Das spiegelt sich auch in den Prognosen wider. Während Thomas Strobl in Berlin und Stuttgart als Favorit gehandelt wird, gilt Guido Wolf den Menschen im ländlichen Raum als kaum schlagbar. Eines aber ist gewiss: Einen auf den Spitzenkandidaten fokussierten Wahlkampf können sich die Christdemokraten im Südwesten nicht leisten. Da dürfte - salopp formuliert - gegen den landesväterlichen Amtsinhaber Winfried Kretschmann kein Kraut gewachsen sein. Es wird nur programmatisch gehen. Mit einem Unions-Frontmann, der dieses Programm auch glaubwürdig vertritt und die Partei geschlossen hinter sich hat.

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