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Schwäbische Zeitung: Es heißt Völkermord - Kommentar

Ravensburg (ots) - Noch bis Ende des Monats führt das Theater Konstanz "Das Märchen vom letzten Gedanken" auf, eine dramatisierte Fassung des Romans von Edgar Hilsenrath. Er thematisiert den Völkermord an den Armeniern. Intendant Christoph Nix muss sich seit der Premiere Pöbeleien von türkischen Nationalisten gefallen lassen. Der türkische Generalkonsul hat Druck ausgeübt und die Verlesung einer geschichtsklitternden Erklärung durchgesetzt. Dies alles 99 Jahre nach Beginn des Genozids, dem bis zu 1,5 Millionen armenischer Kinder, Frauen und Männer zum Opfer gefallen sind.

Jetzt hat der starke Mann in Ankara für eine Überraschung gesorgt. Er hat den Hinterbliebenen sein Beileid ausgedrückt. Immerhin - könnte man sagen. Aber was wie eine Geste guten Willens aussieht, dürfte in Wahrheit dem zunehmenden Druck geschuldet sein, dem Recep Tayyip Erdogan von innen und außen ausgesetzt ist. Und man kann es drehen und wenden, wie man will: Er hat nicht die richtigen Worte gefunden, sondern nur die halbrichtigen. Erdogan hat erstens den Begriff Genozid vermieden. Nach wissenschaftlicher Mehrheitsmeinung waren die Verfolgungen aber genau dies: Das armenische Volk sollte ausgerottet werden. Zweitens hat es Erdogan versäumt, stellvertretend für die Landsleute um Vergebung zu bitten. Sein Generalkonsul hätte das in Konstanz auch tun können.

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