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Schwäbische Zeitung: Kommentar - Lernresistente Anleger

Ravensburg (ots) - Griechenland trägt seit vier Jahren das Büßerhemd. Als Bittsteller musste es zu Kreuze kriechen und der eigenen Bevölkerung bittere Einschnitte zumuten. Doch nun ist Griechenland wieder zurück am Kapitalmarkt. Also alles wieder gut? Weit gefehlt. Es gibt eher Anlass zu neuer Sorge: Dass sich Griechenland erfolgreich frisches Kapital beschaffen konnte, zeigt nicht etwa, dass es sich aus seiner Misere befreien konnte. Im Gegenteil: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 27 Prozent. Die Wirtschaftsleistung ist zuletzt weiter geschrumpft, die Verschuldung so hoch wie bei kaum einem anderen Staat weltweit. Der Erfolg der griechischen Anleihe zeigt vielmehr, dass das Pokerspiel an den Kapitalmärkten von vorne losgeht. Angelockt durch eine Traumrendite von zirka fünf Prozent werden die Anleger erneut unvorsichtig. Athen kann sich doppelt freuen. Kann sich das Land selbst wieder ein paar Milliarden beschaffen, so ist es nicht mehr so sehr auf weitere Hilfspakete angewiesen. Denn die Rettungsmilliarden sind stets an unangenehme Sparauflagen geknüpft. Der Kapitalmarkt ist da anspruchsloser: Falls etwas schief geht, gibt es ja noch den europäischen Steuerzahler.

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