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Schwäbische Zeitung: Leitartikel - Impfen ist ein Privileg

Ravensburg (ots) - Es gibt viele Eltern, die verunsichert sind. Sie wollen das Beste für ihr Kind, sorgen sich um das körperliche und seelische Wohl ihres Nachwuchses. Und gerade diese Eltern geraten bevorzugt ins Visier von militanten Impfgegnern, die mit einer Mischung aus Verschwörungstheorien und allgemeingültigen Gesundheitstipps tatsächlich für einen gewissen Eindruck sorgen. Kinderärzte schlagen aus Verzweiflung die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie die Pseudo-Argumentation der eifernden Impfkritiker über sich ergehen lassen müssen. Diese verharmlosen und verteufeln in ihren seriös wirkenden Publikationen zugleich. So hülfe eine gesunde Ernährung gegen Masern, die Krankheit sei ohnehin harmlos und garantiere nur der bösen Pharmaindustrie hohe Profite. Kurzformel: Geheime, imperialistische Mächte sind zugange, um sich an den Ängsten verantwortungsbewusster Eltern zu bereichern. Mit Verlaub: So denken die Taliban in Afghanistan, so denken Extremisten in Westafrika, wenn sie Entwicklungshelfer angreifen und töten, die Kinder gegen Masern oder Kinderlähmung impfen wollen. Gerade ein Blick nach Afrika lohnt. Dort, wo Scharlatane behaupten, Aids mit Vitaminen besiegen zu können, fürchten sich immer noch Millionen vor den Masern. Sie haben fürchterliche Erfahrungen gemacht. Im vergangenen Jahrhundert wurde die Bevölkerung ganzer Landstriche durch die Krankheit ausgerottet. Für Afrikaner und viele andere in Entwicklungsländern ist es deshalb unverständlich, dass die lebensrettende Spritze im Wohlstands-Europa als Versuch der Körperverletzung dargestellt wird. Hier im Bodenseeraum, gleich ob Deutschland, Österreich oder Schweiz machen sich Experten wegen der vergleichsweise niedrigen Impfrate berechtigte Sorgen. Denn Ungeimpfte profitieren vom Kollektivschutz der Gesellschaft und gefährden ihn zugleich. Ein Risiko für schwangere Frauen, die einem erhöhten Röteln-Risiko ausgesetzt sind. Oder für ältere Menschen, für die Keuchhusten Lebensgefahr bedeutet.

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