Alle Storys
Folgen
Keine Story von Schwäbische Zeitung mehr verpassen.

Schwäbische Zeitung

Schwäbische Zeitung: CDU muss Affäre Mappus klären - Leitartikel

Leutkirch (ots)

Es kommt jetzt knüppeldick für Stefan Mappus. Seit gestern ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue gegen den früheren Ministerpräsidenten. Langsam sollte es auch den letzten noch verbliebenen Kämpen des Mappus-Lagers klar werden, dass die Wahlniederlage 2011 mit der japanischen Atomkatastrophe von Fukushima nur vordergründig zu erklären ist. Sehr viel mehr hat sie mit der Hybris des Ex-Regierungschefs zu tun. Die Informationen über den selbstgefälligen Verhandlungsstil nach Gutsherrenart im Zusammenhang mit dem verfassungswidrigen Rückkauf von EnBW-Anteilen sprechen für sich. Aus dieser Melange von offensichtlicher Inkompetenz und Geltungsdrang speist sich die Politikverdrossenheit bei den Bürgern. Deren unterschwelliges Gefühl, dass der Ministerpräsident mit mächtigen, internationalen Bankern gekungelt hat und so letztlich zu deren Spielball wurde, verschärft diese Problematik.

Die Staatsanwaltschaft muss den Hinweisen des Rechnungshofes nachgehen, und diese deuten darauf hin, dass für den manifest überforderten Politiker alleinig der EnBW-Buchwert in der Bilanz des französischen EdF-Konzerns relevant war. Ein Wertgutachten im Vorfeld des 4,7-Milliarden-Geschäfts gab es zur Überraschung der Rechnungsprüfer nicht. Der EdF-Chef schätzte den Buchwert ganz zu Beginn der Gespräche auf 37 Euro je Aktie, Mappus signalisierte später 40 Euro, war kurz darauf aber bereit, 41,50 Euro hinzublättern. Die Ermittlungen der Staatsanwälte werden hilfreich sein, um ein solches Handeln überhaupt nachvollziehbar zu machen. Bemerkungen, die prognostizierte Dividende 2010 hätte berücksichtigt werden müssen, reichen nicht aus.

Für die CDU sind diese Schlagzeilen Hiobsbotschaften. Die Reputation der immer noch mit weitem Abstand größten Partei im Lande leidet erheblich unter dem Mappus-Erbe. Solange die Affäre nicht restlos aufgeklärt ist, wird ein Neuanfang für die Christdemokraten schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

Pressekontakt:

Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 07561-80 100
redaktion@schwaebische-zeitung.de

Original-Content von: Schwäbische Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Schwäbische Zeitung
Weitere Storys: Schwäbische Zeitung
  • 10.07.2012 – 21:16

    Schwäbische Zeitung: Europa blickt nach Karlsruhe - Leitartikel

    Leutkirch (ots) - Das Bundesverfassungsgericht trifft keine politischen Entscheidungen. Es ist aber von Zeit zu Zeit gezwungen, über das Politische zu entscheiden. So hat es sinngemäß der amtierende Präsident des höchsten deutschen Gerichts, Andreas Voßkuhle, formuliert. Und was wie Haarspalterei anmutet, verdeutlicht in Wirklichkeit den extrem schmalen Grat ...

  • 09.07.2012 – 21:00

    Schwäbische Zeitung: Törichter Datenhandel - Leitartikel

    Leutkirch (ots) - Ein Schelm, der Böses dabei denkt: Während beim EM-Halbfinale Deutschland wenig glamourös gegen Italien verliert, verabschiedet eine Handvoll Bundestagsabgeordneter ein neues Meldegesetz, über das die Werbewirtschaft frohlocken kann. Nun, da die Sache ans Licht kommt, bemühen sich Politiker aller Couleur, einen großen Abstand zwischen sich und das Gesetz zu bringen. Eine Politposse? Nein, dafür ...

  • 09.07.2012 – 21:00

    Schwäbische Zeitung: Keine Gefahr für das Abendland - Kommentar

    Leutkirch (ots) - Sobald ein Ritual mit Religion zu tun hat, droht in Deutschland erbitterter Streit. In der Beschneidungsdebatte ist vom Recht auf Unversehrtheit die Rede, weil ein zwei Wochen alter Bub eben nicht entscheiden kann, ob er beschnitten werden will. Sicher ist, dass einem Säugling der Eingriff wenig Schmerz bereitet, einem größeren Jungen aber wochenlange Pein beschert. Das Kölner Urteil, das eine ...