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Berliner Zeitung: Zum enttäuschenden Abschneiden der Deutschen bei der Leichtathletik-WM

Berlin (ots) - Es ist nicht Aufgabe des Staates, Sportlern Träume zu erfüllen

Als Vorbild der Sportförderung gilt Großbritannien, das Zauberwort heißt Potenzialanalyse, das Mittel der Wahl: Zentralisierung. Dank strenger Auslese steigerten die Briten ihre olympische Medaillenausbeute von 15 (1996) auf 67 (2016). Kosten pro Medaille in einem olympischen Vierjahreszyklus: 6 Millionen Euro. Ist es das Geld wert? Zumal die erhoffte gesundheitliche Sogwirkung ausbleibt. Britische Kinder werden trotzdem dicker. Wäre es nicht besser, Vereinen den Zugang zu Schulen und Universitäten zu erleichtern und Sportler im heimischen Umfeld zu belassen, wo sie als lokale Identifikationsfiguren fungieren, anstatt sie in ein paar wenigen Stützpunkten zu kasernieren? Es ist nicht Aufgabe des Staats, Sportlern ihren persönlichen olympischen Traum zu erfüllen. Im Vergleich mit anderen Nationen mag das ungerecht erscheinen. Es gibt den Athleten jedoch die Freiheit, medaillenlos von einer WM heimzureisen und sich trotzdem als Sieger zu fühlen. Leichtathletik ist die Urform des Höher, Schneller, Weiter. Nicht zu verwechseln mit: am höchsten, am schnellsten, am weitesten. Herauszufinden, was der Körper zu leisten imstande ist, sich seiner selbst bewusst werden, das ist ein großer Erfolg. Und wenn es nur beim Bezirkssportfest ist.

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