All Stories
Follow
Subscribe to Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

UN Menschenrechtsrat in Genf: Von China verschleppter Panchen Lama seit 24 Jahren vermisst

Zweithöchstes spirituelles Oberhaupt der Tibeter: - Damals sechsjähriger von chinesischen Behörden verschleppt - Von Peking installierte Alternative wird in Tibet nicht anerkannt - GfbV: "In Tibet eingeübtes Unterdrückungshandwerk wird jetzt in Xingjiang eingesetzt"

Das Schicksal des zweithöchsten spirituellen Oberhauptes der Tibeter, des Panchen Lama, war am gestrigen Dienstag Thema auf der aktuellen Sitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf. Auf dem Side Event der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wurde an die Entführung des damals sechsjährigen Gedhun Choekyi Nyima erinnert. Er war 1995 vom jetzigen Dalai Lama als elfter Panchen Lama anerkannt worden. Daraufhin verschleppten chinesische Behörden den Jungen samt seiner Familie. Das Schicksal des inzwischen Dreißigjährigen ist nach wie vor unbekannt. Die "Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen über unfreiwilliges oder erzwungenes Verschwinden" hatte sich wiederholt mit dem Fall beschäftigt und China aufgefordert, seinen Verbleib bekannt zu machen.

Peking installierte kurz nach der Entführung einen eigenen, parteitreuen Panchen Lama, der in Tibet aber nicht anerkannt wird. "Der Panchen Lama spielt eine wichtige Rolle bei der Auswahl des nächsten Dalai Lama, wenn das derzeitige geistliche Oberhaupt der Tibeter verstorben sein wird", erklärt Hanno Schedler GfbV-Referent für Genozidprävention und Schutzverantwortung. "Indem sie den Verbleib des legitimen Panchen Lama geheim hält, sichert sich die chinesische Führung Einfluss auf die Anerkennung des künftigen geistlichen Oberhauptes der Tibeter. Das verbittert alle, die sich ein Ende der Unterdrückung wünschen."

Das Panel "Religious Repression: Faith Under State Control in Tibet Autonomous Region" behandelte auch weitere Versuche des chinesischen Staates, die Religionsausübung und religiöse Figuren in Tibet unter staatliche Kontrolle zu bringen. "Religiöse Unterdrückung hat in China Tradition und ist inzwischen massiv eskaliert", erinnert Schedler. "Millionen von Tibetern leiden seit Jahrzehnten darunter, auch Christen und Falun-Gong-Anhänger bekommen sie zu spüren. Am härtesten sind derzeit Muslime in der Region Xinjiang betroffen. Mindestens 1,5 Millionen von ihnen sind in Lagern interniert, die gesamte Region ist einer beispiellosen digitalen Überwachung unterworfen. Dieses Unterdrückungshandwerk hat Chen Quanguo, der Sekretär der Kommunistischen Partei in Xinjiang, zuvor in Tibet perfektioniert."

In einer mündlichen Stellungnahme kritisierte die GfbV, dass der Vize-Gouverneur von Xinjiang zu Beginn der aktuellen Sitzung des Menschenrechtsrates die chinesischen Lager sprechen durfte. "Es kann nicht sein, dass jemand, der direkt für die massenhafte und willkürliche Inhaftierung von Uiguren, Kasachen und Kirgisen verantwortlich ist, 25 Minuten lang vor dem Menschenrechtsrat sprechen darf, während es Menschenrechtsorganisationen immer schwerer haben, bei den Vereinten Nationen Gehör zu finden," kritisiert Schedler.

Sie erreichen Hanno Schedler unter h.schedler@gfbv.de oder 0551 49906 15.

Gesellschaft für bedrohte Völker
Postfach 2024
D-37010 Göttingen
Tel.: +49 551 499 06-21
Fax: +49 551 580 28
E-Mail:  info@gfbv.de
www.gfbv.de
Menschenrechtsorganisation mit beratendem Status bei den UN und mitwirkendem
Status beim Europarat
More stories: Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
More stories: Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
  • 27.06.2019 – 08:05

    Staatskrise in Mauretanien nach umstrittenen Wahlen

    Regierung schürt Rassismus zum Machterhalt Vermeintlich demokratischer Machtübergang wird zum Fiasko Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat Mauretaniens Regierung Rassismus und Methoden einer Diktatur vorgeworfen, um nach umstrittenen Präsidentschaftswahlen ihren Machterhalt sichern. Die Menschenrechtsorganisation forderte die sofortige Freilassung von mehr als einhundert Personen, die allein aufgrund ...

  • 25.06.2019 – 08:27

    Russland im Europarat: Straßburg zeigt sich erpressbar

    Russland im Europarat: - GfbV: "Sanktionen lassen sich durch Erpressung aufheben." - "Zukünftige Sanktionen werden nicht mehr schwer wiegen." - "Mit dieser Entscheidung erweist der Europarat Frieden und Menschenrechten in Europa einen Bärendienst." Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) verurteilt die Wiederherstellung der Stimmrechte Russlands im Europarat. "Mit dieser Entscheidung sendet Straßburg ein fatales ...