All Stories
Follow
Subscribe to dpa-Faktencheck

dpa-Faktencheck

In Deutschland wird nicht jeden Tag ein Mensch durch einen «Schutzsuchenden» umgebracht

Hamburg (ots)

In den sozialen Medien wird schon seit längerem ein Sharepic verbreitet, auf dem Füße zu sehen sind. An den rechten großen Zeh ist ein Zettel gebunden, so dass der Eindruck entsteht, es handele sich um eine verstorbene Person. Im Text dazu wird behauptet, in Deutschland werde jeden Tag ein Mensch durch einen «Schutzsuchenden» umgebracht (http://dpaq.de/tVFTm).

BEWERTUNG: Es ist falsch, dass täglich ein Schutzsuchender einen Menschen in Deutschland tötet.

FAKTEN: Offizielle Daten zur Gewalt von Flüchtlingen erfasst die Polizeiliche Kriminalstatistik. Auf dieser fußt das Dokument «Kriminalität im Kontext von Zuwanderung», eine gesonderte Untersuchung des Bundeskriminalamtes (BKA) über Zuwanderer. Darunter fallen Asylbewerber, Schutzberechtigte und Asylberechtigte, Kontingentflüchtlinge, Menschen mit Duldung und Menschen mit unerlaubtem Aufenthalt. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2018. (http://dpaq.de/fUAXe)

Dort steht auf S. 17: «Im Jahr 2018 wurden 430 Straftaten gegen das Leben erfasst, bei denen mindestens ein Zuwanderer als Tatverdächtiger ermittelt wurde.» Wie in Fußnote 17 am unteren Seitenrand erläutert wird, zählt das BKA dazu «alle versuchten und vollendeten Straftaten». Das heißt: Zu den genannten 430 Taten werden auch Versuche gezählt, bei denen niemand getötet wurde.

In einem weiteren Absatz auf S. 17 gibt das BKA an: «In 61 Fällen wurde das Tötungsdelikt vollendet.» Das heißt: Bei den 430 erfassten Taten sind 61 Menschen ums Leben gekommen.

Die untersuchte Ausgangsbehauptung, dass in Deutschland «jeden Tag ein Mensch durch einen «Schutzsuchenden» umgebracht» werde, stimmt also nicht.

   ---

Links:

Instagram-Post: https://www.instagram.com/p/B4MzX2IoSFE/ (archiviert: https://perma.cc/DRT7-XX62)

Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2018: https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung_2018.html

Statistisches Bundesamt zum Begriff «Schutzsuchende»: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/Glossar/Schutzsuchende.html

   ---

Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

© dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH. Die vorstehenden Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Jegliche Nutzung von Texten, Grafiken und Bildern ohne vertragliche Vereinbarung oder sonstige ausdrückliche Zustimmung der dpa ist unzulässig. Dies gilt insbesondere für die Verbreitung, Vervielfältigung und öffentliche Wiedergabe sowie Speicherung, Bearbeitung oder Veränderung. Alle Rechte bleiben vorbehalten.

More stories: dpa-Faktencheck
More stories: dpa-Faktencheck
  • 31.10.2019 – 15:04

    Das Foto vom Grönemeyer-Konzert wurde manipuliert

    Berlin (ots) - Anfang September gab Herbert Grönemeyer ein Konzert in Wien. Auf einem Sharepic ist ein Foto der Bühne zu sehen: über dem Musiker der Schriftzug «Totaler Krieg gegen Rechts», rechts und links die «Antifa Fahne». Die Überschrift über dem Foto: «Der Parteitags-Saal von Grönemeyer in Wien» (https://perma.cc/F852-CTTU) BEWERTUNG: Das Foto ist eine Manipulation. Die Bühne sah bei dem Konzert ...

  • 31.10.2019 – 11:48

    Das Flugzeug flog von Libyen nach Nigeria, nicht nach Deutschland

    Berlin (ots) - Auf Facebook kursieren Beiträge über die vom deutschen Staat organisierte Aufnahme von Flüchtlingen aus Krisenregionen. Im Zuge des Resettlement-Programms würden die Flüchtlinge mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht. Illustriert werden die Posts mit einem Foto, auf dem Dutzende junge afrikanische Männer an Bord eines Passagierflugzeugs zu sehen sind (http://dpaq.de/HYM7G). BEWERTUNG: Es stimmt, ...

  • 30.10.2019 – 15:50

    Foto aus Dresden zeigt nur einen Teil der Pegida-Gegner

    Berlin (ots) - Die Medien-Berichterstattung über Kundgebungen zum fünften Jahrestag der islam- und ausländerfeindlichen Pegida in Dresden ziehen Nutzer in den sozialen Netzwerken in Zweifel. Vom Turm der Frauenkirche aufgenommene Fotos sollen beweisen, dass am 20. Oktober die Zahl der demonstrierenden Pegida-Anhänger die der Pegida-Gegner deutlich überstieg. Damit, so die Argumentation, seien Medienberichte falsch, ...