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Studie: Vorteile der Netto-Null-Emissionsstrategie für Nepal

PRESSEMITTEILUNG

Vorteile der Netto-Null-Emissionsstrategie für Nepal

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssen alle Nationen wie auch Unternehmen dazu beitragen. Wie kann ein Entwicklungsland, welches Wirtschaftswachstum und verbesserte Lebensstandards anstrebt, zugleich Klimaneutralität und Klimaresilienz erreichen? In einer Studie des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit (RIFS) wurden am Beispiel Nepal die Vorteile von Netto-Null-Emissionen analysiert.

Nepal ist eines der zehn Länder, die am stärksten durch klimawandelbedingte Risiken gefährdet sind. Dabei leistet das Land nur einen geringen Beitrag zu den globalen Treibhausgasemissionen. Da Nepal bis 2030 aus der Kategorie der am wenigsten entwickelten Länder in die der Länder mit mittlerem Einkommen aufsteigen wird, der Verbrauch fossiler Brennstoffe zu.

Das Nachbarland Indien versorgt das Land größtenteils mit fossilen Brennstoffen. Die Exporteinnahmen Nepals reichen jedoch nicht aus, um ausreichend Erdölprodukte zu bezahlen, was eine sichere Energieversorgung gefährdet. Zugleich ist Nepal immer noch dabei, hundert Prozent seiner Bevölkerung überhaupt Zugang zu Elektrizität zu ermöglichen und andere wirtschaftliche Entwicklungsziele zu erreichen. Gleichzeitig hat Nepal die internationalen Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung daran kontinuierlich und aktiv unterstützt. 2020 hat es seinen zweiten national festgelegten Beitrag (Nationally Determined Contribution - NDC) mit quantifizierten Minderungszielen und unterstützenden Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen vorgelegt. Im Jahr 2021 hat das Land seine „Langfristige Strategie für Netto-Null-Emissionen“ (LTS) eingeführt, die darauf abzielt, bis 2045 nachhaltig Netto-Null-CO2-Emissionen zu erreichen.

Herangehensweise bei dieser Studie

Für die Studie „Environmental, energy security, and energy equity (3E) benefits of net-zero emission strategy in a developing country“ haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die vor kurzem in Nepal verabschiedete LTS mithilfe der Low Emissions Analysis Platform (LEAP) untersucht. LEAP ist ein vom Stockholmer Umweltinstitut entwickeltes Modellierungstool. Es erfasst sowohl energiebezogene als auch nicht-energiebezogene Emissionen innerhalb einer einzigen Modellierung: Es bezieht Treibhausgas- und andere Umweltschadstoffemissionen gemäß einer IPCC-Richtlinie für nationale Treibhausgasinventare mit ein. Darüber hinaus analysierten die Forschenden die Wechselwirkungen und deren Auswirkungen zwischen dem Energie- und Nichtenergiesektor, der Wirtschaft und der Umwelt.

Die Studie soll eine Forschungslücke schließen, indem zum ersten Mal die Zusatznutzen, die sogenannten „Co-Benefits“, von Nepals langfristiger Strategie für Netto-Null-Emissionen einbezogen wurden:

  • Es sind neben den Treibhausgasen (CO2, CH4 und N2O) die Emissionen von sieben weiteren Luftschadstoffen berücksichtigt worden (Kohlenmonoxid (CO), Stickstoffoxide (NOX), flüchtige organische Verbindungen ohne Methan (NMVOC), Schwefeldioxid (SO2), Feinstaub (PM2.5), Ruß und organischer Kohlenstoff (OC)).
  • Die Energiesicherheit wurde analysiert bezogen auf Zugänglichkeit, Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit.
  • Wie sich die Netto-Null-Strategie auf die Energiegerechtigkeit auswirkt, wurde anhand des Zuganges zu ausreichend Elektrizität bemessen, wie im SDG-7 vorgesehen.

Mit all diesen Parametern sind zwei große politische Interventionsszenarien betrachtet worden im Vergleich mit einem Referenzszenario (REF). Letzteres bedeutet, dass die derzeitigen Trends fortgesetzt werden, ohne dass kürzlich beschlossene politische Maßnahmen berücksichtigt werden. Das weitere Szenario wäre dasjenige mit bestehenden Maßnahmen (WEM), die in den bis 2020 angenommenen Plänen und Politiken erwähnt werden. Und das dritte Szenario wäre dasjenige mit zusätzlichen Maßnahmen (WAM), die über die unter WEM aufgeführten Maßnahmen hinausgehen und für das Land machbar sind.

Werden diese nun verglichen mit dem Referenzszenario (REF), so führen beide zu einer großen Verringerung der Luftschadstoffemissionen und zur besseren Energiesicherheit als auch -gerechtigkeit.

Luftschadstoffe: Um rund 70 Prozent reduzierbar

In Zahlen: Mit dem WEM-Szenario würden beispielsweise die Emissionen von sieben verschiedenen Luftschadstoffen bis zum Jahr 2050 um mindestens 40 Prozent reduziert. Beim WAM-Szenario würde sich diese Reduktion nochmals erhöhen auf etwa 70 Prozent oder mehr. Die Reduktion der Luftschadstoffe, einschließlich kurzlebiger klimawirksamer Schadstoffe (SLCP) wie Ruß und Methan, bringen zusätzliche Vorteile, weil gesundheitliche Beeinträchtigungen und Ernteeinbußen vermieden werden können; auch Einwirkungen auf die Gletscherschmelze und das Klima ließen sich verringern.

Die Energieversorgungssicherheit würde sich verbessern, denn der Anteil der Erneuerbaren im Land steige, während die Einfuhren von Energie sinken. Somit fallen auch die Kosten für importierte Brennstoffe im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Die Ausgangsfrage für diese Studie war: Können Strategien zu Netto-Null-Emissionen von Treibhausgasen, in diesem Fall in Nepal, vielfältige Nebeneffekte haben? Die genannten Zusatznutzen wie bessere Gesundheit oder sichere Energieversorgung gehören bewertet, so das Autorenteam und bei der Wahl der Dekarbonisierungsarten einbezogen. Auf diese Weise kann dies dazu beitragen, die Einschränkungen der kohlenstoffarmen Optionen zu überwinden im Zusammenhang mit Wettbewerbsfähigkeit, Akzeptanz und Nachhaltigkeit.

Die Erkenntnisse dieser Studie sollen fürs Ausloten bestehender und künftiger politischer Optionen in Entwicklungs- und Schwellenländern die ausschlaggebenden Hinweise liefern für Investitionsentscheidungen, für eine Priorisierung von Forschungs- und Entwicklungsbedürfnissen, um den gesellschaftlichen Wandel auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung voranzubringen. Weitere Studien könnten nun genauer analysieren, wie groß der gesundheitliche Nutzen oder der Einfluss auf die landwirtschaftlichen Erträge ausfallen würde aufgrund von geringeren Emissionen auf dem vorgenommenen Netto-Null-Pfad Nepals.

Publikation:

Shakya, S. R., Nakarmi, A. M., Prajapati, A., Pradhan, B. B., Rajbhandari, U. S., Rupakheti, M., & Lawrence, M. G.: Environmental, energy security, and energy equity (3E) benefits of net-zero emission strategy in a developing country: A case study of Nepal. Energy reports, 9, 2359-2371. doi:10.1016/j.egyr.2023.01.055

Wissenschaftliche Kontakte: Mark Lawrence

Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) – Helmholtz-Zentrum Potsdam

Telefon: +49 331 28822 350

Mail: mark.lawrence@rifs-potsdam.de

Maheswar Rupakheti

Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) – Helmholtz-Zentrum Potsdam

Telefon: +49 331 28822 356

Mail: maheswar.rupakheti@rifs-potsdam.de

Shree Raj Shakya

Department of Mechanical and Aerospace Engineering,

Institute of Engineering (Pulchowk), Tribhuvan University, Lalitpur, Nepal

Telefon: +977-1-5542054

Mobil: +977-9818714954

Mail: shreerajshakya@ioe.edu.np

Für weitere Rückfragen:

Sabine Letz

Pressereferentin | Press Relations Manager

Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit – Helmholtz-Zentrum Potsdam (RIFS)

Telefon: +49 331 288 22479

Mobil: +49 151 120 190 35

Mail: sabine.letz@rifs-potsdam.de

Am Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) werden Entwicklungspfade für die globale Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft erforscht, aufgezeigt und unterstützt. Es ist seit 2023 ein Teil der Helmholtz-Gemeinschaft, eingebunden ins Deutsche Geoforschungszentrum GFZ Potsdam. Der Forschungsansatz ist transdisziplinär, transformativ und ko-kreativ. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, politischen Institutionen, kommunalen Verwaltungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft werden von allen getragene Lösungen entwickelt. Zentrale Forschungsthemen sind unter anderem die Energiewende, der Klimawandel und soziotechnische Wandel, aber auch Fragen der nachhaltigen Governance und Partizipation. Ein starkes nationales und internationales Netzwerk verbunden mit einem Fellow-Programm unterstützen das Institut.

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