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Schuldenerlass könnte Bildung für Millionen geflüchtete Kinder sichern

Berlin/London (ots)

Millionen Kinder auf der Flucht haben keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen: Im Vorfeld des Weltflüchtlingstages wirft Save the Children in einem neuen Bericht ein Schlaglicht auf die geringen Bildungschancen für geflüchtete Kinder. Das liegt vor allem daran, dass einige der ärmsten Länder der Welt die meisten Geflüchteten aufnehmen. Würde man diesen Ländern einen Teil ihrer Auslandsschulden erlassen, könnten die freien Gelder in die Bildungssysteme investiert werden - und damit in die Zukunft einer ganzen Generation von Kindern auf der Flucht.

In ihrem neuen Bericht "The Price of Hope" ("Der Preis der Hoffnung") blickt die Kinderrechtsorganisation auf 14 Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die mehr als die Hälfte der weltweiten Geflüchteten aufgenommen haben. Diese mussten im Jahr 2020 rund 23 Milliarden US-Dollar für die Tilgung ihrer Schuldenzinsen aufbringen - so viel wie es kosten würde, alle dort lebenden geflüchteten Kinder fünf Jahre zu unterrichten. Deshalb fordert Save the Children einen Schuldenerlass für Länder, die aufgrund ihrer Schuldenlast nicht angemessen in Bildung investieren können. Dieses Verfahren muss transparent sein, alle Gläubiger einschließlich des privaten Sektors einbeziehen und gewährleisten, dass die Kreditwürdigkeit eines Landes dadurch nicht beeinträchtigt wird.

"Je länger wir warten, desto schlimmer wird die Lage, denn die wirtschaftlichen Aussichten dieser Länder sind düster", sagt Hollie Warren, Leiterin des Bereichs Bildung bei Save the Children. "Oft sind die Bildungssysteme dort unterfinanziert und werden gerade den Bedürfnissen der am stärksten ausgegrenzten Kinder nicht gerecht. Ein Schuldenerlass könnte eine entscheidende Rolle bei der Mobilisierung von Mitteln spielen, die es braucht, um geflüchteten Mädchen und Jungen Zugang zu Bildung zu ermöglichen."

Innerhalb der humanitären Hilfe werden für Bildung am wenigsten Gelder bereitgestellt; im Jahr 2021 waren es weltweit nur 3,1 Prozent. Aufrufe an die internationale Gemeinschaft zur Finanzierung von Bildungsinvestitionen brachten nur 22 Prozent der benötigten Mittel ein. Vor allem in einkommensschwachen Ländern sind die Bildungssysteme unzureichend. Mehr als die Hälfte dieser Länder steckt dem Internationalen Währungsfonds zufolge in einer Schuldenkrise oder steht kurz davor.

Nach Angaben des UNHCR verpassen geflüchtete Kinder weltweit im Durchschnitt drei bis vier Jahre Schulbildung. Rund die Hälfte aller Kinder auf der Flucht geht nicht zur Schule.

"Derzeit gibt es mehr gewaltsam vertriebene Kinder auf der Welt als je zuvor in der neueren Geschichte", sagt Bildungsexpertin Hollie Warren. Nach neuesten Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind derzeit rund 108,4 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht - ein neuer Höchststand. "Doch die internationale Gemeinschaft begegnet Geflüchteten mit zunehmender Feindseligkeit und kürzt gleichzeitig Mittel für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit - mit der Folge, dass einige der ärmsten Länder die Verantwortung und die Kosten für die Bildung von Millionen Kindern tragen müssen. Auf ihrer Flucht sind sie durch die Hölle gegangen. Jetzt brauchen sie dringend Stabilität und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft."

Der 16-jährige Sebastian* erhält seit vier Jahren keinen Unterricht mehr, nachdem seine Familie aus Venezuela nach Kolumbien floh. "Das Schulgeld ist zu hoch und meine Mutter hat kein Geld für Bücher und die Schuluniformen", erzählt er. "Für mich wäre es wichtig, zur Schule zu gehen, weil ich dort lernen und Freunde finden könnte. Ich wünsche mir, dass ich wieder zur Schule zu gehen und später studieren kann, weil ich Kindern wie mir helfen möchte."

Save the Children unterstützt Kinder wie Sebastian, versäumten Schulstoff nachzuholen, und stärkt sie dafür, sich trotz aller Hindernisse eine gute Zukunft aufzubauen. Die Kinderrechtsorganisation appelliert an die internationale Gemeinschaft, die notwendigen Mittel zu mobilisieren, um die jährlichen Kosten von 4,85 Milliarden US-Dollar für die Bildung von Geflüchteten und die Stärkung der Bildungssysteme in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu decken. Alle geflüchteten Kinder müssen Zugang zum Bildungssystemen des Landes, in dem sie sich aufhalten, bekommen oder zumindest eine gleichwertige Bildung erhalten.

* Name zum Schutz geändert

Hinweise für die Redaktion:

  • Hier finden Sie den englischen Bericht "The Price of Hope" von Save the Children sowie eine Zusammenfassung zum Download.
  • Ein Video-Interview mit Sebastian aus Kolumbien sowie Fotos von ihm und seiner Familie sind hier verfügbar: https://www.contenthubsavethechildren.org/Package/2O4C2SXLDH40 Unter © Save the Children ist das Material honorarfrei auch zur Weitergabe an Dritte nutzbar.
  • Die 14 Länder, die weltweit die meisten Geflüchteten aufnehmen und laut Schuldenstatistik der Weltbank rund 23 Milliarden US-Dollar allein für Auslandsschulden-Zinszahlungen aufwenden sind: Türkei, Jordanien, Kolumbien, Pakistan, Uganda, Russland, Sudan, Peru, Bangladesch, Äthiopien, Iran, Tschad, Ecuador und Demokratische Republik Kongo. Die sechs weiteren Top-20-Aufnahmeländer sind entweder einkommensstark (Deutschland, Polen, Frankreich) oder es existieren keine Daten zu Schulden oder Bildungsausgaben (besetzte palästinensische Gebiete, Syrien). Der Libanon wurde aufgrund unklarer Schuldenstatistiken von der Analyse ausgenommen.

Bei Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an unsere Pressestelle.

Aktuelle Informationen finden Sie auf Twitter @SaveChildrenDE.

Über Save the Children

Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 120 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.

Pressekontakt:

Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle - Susanne Sawadogo
Tel.: +49 (0)30 - 27 59 59 79 - 120
Mail: susanne.sawadogo@savethechildren.de

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