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Kreativität und Kompromiss gefragt/Wie geht man bei den hohen Infektionszahlen mit den Schulen um? Kurz vor dem Winter wird die Debatte ungemütlich. Jetzt rächt sich, was zu lange versäumt wurde.

Regensburg (ots)

Das Pausenbrot wird auf dem Schulhof auf einmal langsam und genüsslich verspeist, anstatt es wie sonst schnell hinunterzuschlingen. In Corona-Zeiten dient die Mahlzeit nicht mehr nur dazu, den knurrenden Magen zu beruhigen, sondern auch, befreiende Minuten ohne Maske im Gesicht zu gewinnen - zumindest gilt das für jene Schulen mit Maskenpflicht in Pausen. Manch ein Schüler dehnt diese gerne in die Länge. Solche Erfahrungen, die man in diesen Tagen von Eltern schulpflichtiger Kinder hört, lassen einen schmunzeln. Sie sind eine Aufmunterung in der sonst so angestrengt geführten Debatte über den richtigen Umgang mit den Schulen.Kein Wunder, denn die Lage ist ernst. Die Infektionszahlen sind trotz Teil-Lockdown hoch. Gestern meldete das Robert-Koch-Institut mit 23 648 Neuinfektionen binnen 24 Stunden einen neuen Rekordwert. Auch wenn die Lage angespannt bleibt, darf an einem Ziel aber nicht gerüttelt werden: Der Schulunterricht muss weiterlaufen. Um das zu erreichen, würde man sich auf bildungspolitischer Ebene ähnlich viel Kreativität und Erfindungsreichtum wünschen wie auf manch einem Schulhof.Stattdessen wird die Diskussion oft verbissen geführt. Über das Ziel, den Unterricht aufrechtzuerhalten, herrscht noch weitgehend Einigkeit. Bei dessen Erreichung jedoch driften die Ansichten weit auseinander. Während manch einer schon über erneute Schulschließungen nachdenkt, darf aus Sicht etwa der bayerischen Gymnasialdirektoren das Homeschooling nur eine absolute Notlösung sein. In einem Rundbrief stellt deren Berufsvereinigung BayDV aber nicht nur den reinen Distanzunterricht, sondern auch das Wechselmodell von Präsenz- und Distanzbeschulung als "Ultima Ratio" dar. Solche strengen Mahnungen und kategorischen Tabus aber helfen in der Debatte nicht weiter. Angesichts der hohen Viruszahlen müssen Wege gefunden werden, komplette Schulschließungen zu umgehen. Der Schaden gerade für Schülerinnen und Schüler wäre zu groß. Auch wenn es die Schulen vor logistische Herausforderungen stellt, kann der Wechselunterricht doch eine mögliche Option sein.Klar, jedem Betroffenen wäre es lieber, der Unterricht könnte regulär und ohne Einschränkungen weiterlaufen. Das Wechselmodell kann freilich nur eine Krücke sein, die auch Nachteile birgt: So werden Klassen geteilt und das soziale Gefüge gestört. Aber die Pandemie ist eben kein Wunschkonzert, ein Zuckerschlecken ist sie schon gar nicht. Das hat die erste Virus-Welle und die Schulschließungen vom Frühjahr überdeutlich gemacht: Gerade lernschwache Schüler sind im Stoff weit zurückgefallen, was sich nur schwer wieder nachholen lässt. Kinder aus sozial benachteiligen Verhältnissen leiden überproportional stark an den Pandemie-Folgen - sozial, gesundheitlich und wirtschaftlich. Um solche harten und langfristigen Folgen abzufedern und so weit es geht zu vermeiden, müssen die Schulen zu Kompromisslösungen bereit sein.Dass die Debatte kurz vor dem Winter ungemütlich wird, hat vor allem mit bildungspolitischen Versäumnissen zu tun. Die Sommermonate wurden zu wenig genutzt, um den Bildungsbereich auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten. Zwar gibt es politische Beschlüsse, die in die richtige Richtung weisen. Doch die konkreten Verbesserungen kommen in den Schulen zu spät an. Jetzt rächt sich, was langfristig versäumt wurde: bessere Technik und mehr digitalen Kompetenzen. Die Pandemie hat die Defizite weiter verschärft.Wenn Bund und Länder am Mittwoch dann erneut beraten, werden die Schulen im Fokus stehen. Man kann nur hoffen, dass die Regierungschefs ihr Wort halten: komplette Schulschließungen darf es nicht geben. Es steht zu viel auf dem Spiel.

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