All Stories
Follow
Subscribe to DAK-Gesundheit

DAK-Gesundheit

Pandemie und Psyche: Mehr Angststörungen bei Mädchen in Sachsen

3 Documents

In der Corona-Pandemie zeigen sich weiter Auswirkungen auf die Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Sachsen. Der aktuelle Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit in Sachsen zeigt: Bei den 10- bis 14-jährigen Mädchen im Freistaat wurde um knapp ein Viertel häufiger eine Angststörung diagnostiziert als noch vor der Pandemie. Insgesamt waren eher Jugendliche von Neuerkrankungen der Psyche oder von Verhaltensstörungen betroffen als jüngere Kinder. Die Anzahl erstmalig ärztlich behandelter Adipositas-Fälle stieg bei den Jungen im Jugendalter um mehr als die Hälfte und bei den Mädchen im Grundschulalter um knapp ein Drittel. Lesen Sie mehr in unserer Pressemeldung.

Freundliche Grüße

Ihr Presseteam der DAK-Gesundheit Sachsen

Pandemie und Psyche: Mehr Angststörungen bei Mädchen in Sachsen

  • Neuer Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit analysiert Versorgungsdaten von 19.000 jungen Menschen im Freistaat
  • Psychische Neuerkrankungen treffen Jugendliche häufiger als jüngere Kinder
  • Arztbesuche, Krankenhausbehandlungen und Arzneimittel-Verschreibungen gehen weiter zurück

In der Corona-Pandemie zeigen sich weiter Auswirkungen auf die Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Sachsen. Nach einer neuen Analyse der DAK-Gesundheit wurde bei den 10- bis 14-jährigen Mädchen im Freistaat um knapp ein Viertel häufiger eine Angststörung diagnostiziert als noch vor der Pandemie. Insgesamt waren eher Jugendliche von Neuerkrankungen der Psyche oder von Verhaltensstörungen betroffen als jüngere Kinder. Die Anzahl erstmalig ärztlich behandelter Adipositas-Fälle stieg bei den Jungen im Jugendalter um mehr als die Hälfte und bei den Mädchen im Grundschulalter um knapp ein Drittel. Für den aktuellen Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit in Sachsen analysierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld ambulante und stationäre Behandlungsdaten für die Jahre 2018 bis 2021 von rund 19.000 Kindern und Jugendlichen. Danach gingen Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Arzneimittel-Verschreibungen in 2021 insgesamt weiter zurück. DAK-Landeschefin Christine Enenkel warnt vor Langzeitfolgen und setzt auf die Fortführung der im Frühjahr begonnenen konzertierten Aktion mit Beteiligung vieler wichtiger Akteure im Freistaat.

„Eine Verbesserung der Kinder- und Jugendgesundheit können wir nur in Zusammenarbeit mit allen Verantwortlichen erreichen“, sagt Christine Enenkel, Leiterin der DAK-Landesvertretung Sachsen. „Daran arbeiten wir seit April in sogenannten Werkstattgesprächen*. Ich bin dankbar, dass wir mit unserer Initiative viele wichtige Player des Freistaates über Sektoren- und Fachgrenzen hinweg an einen Tisch holen konnten. Besonders liegt mir am Herzen, mit diesem Engagement die Situation der Familien spürbar zu verbessern. Denn es geht um die Zukunft der sächsischen Kinder und Jugendlichen.“

Beim Blick auf die psychischen Einzeldiagnosen der verschiedenen Altersgruppen fällt auf: Während bei jüngeren Kindern steigende Neuerkrankungsraten die Ausnahme blieben, gab es bei den Jugendlichen bei vier der zehn häufigsten psychischen Erkrankungen oder Verhaltensstörungen teils deutliche Zuwachsraten.

Angststörungen: Große Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen

Die Neubehandlungen von Angststörungen stiegen 2021 bei den 10- bis 14-jährigen Mädchen um 23 Prozent im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Bei den gleichaltrigen Jungen sank die Neuerkrankungsrate in dieser Zeit um ein Drittel. Mit 13,6 Behandlungsfällen je 1.000 Versicherte gab es bei den Mädchen dieser Altersgruppe im vergangenen Jahr mehr als doppelt so viele als bei den Jungen (6,5 Fälle). Diese Entwicklung folgt in etwa dem Bundestrend, wenn auch deutlich ausgeprägter. Bei den Jugendlichen (15 bis 17 Jahre) nahmen die Angststörungen sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen leicht zu. Allerdings wurden Mädchen im Freistaat mit 23,2 Fällen je 1.000 Versicherte fast dreimal so häufig erstmals ärztlich behandelt als Jungen (8,5 Fälle).

Während der Pandemie wurde bei sächsischen Schulkindern und Jugendlichen seltener eine Depression erstmalig diagnostiziert. Dazu sagt Enenkel: „Im zweiten Corona-Jahr kamen insgesamt weniger Kinder und Jugendliche in Sachsens Arztpraxen und Krankenhäuser als vor der Pandemie. Hier besteht möglicherweise ein Zusammenhang.“ Prof. Veit Roessner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Uniklinikum Dresden, erklärt: „Bestimmte psychische Erkrankungen sind während der Pandemie zwar seltener diagnostiziert worden, aber beim regelmäßigen Blick auf unsere Warteliste zeigt sich: Die Krankheitslast ist bei Kindern und Jugendlichen nicht weniger geworden. Viele der beschriebenen Verschiebungen liegen an einer veränderten ‚Konkurrenz‘ um die verfügbaren Termine, in denen entsprechende Diagnosen gestellt werden.“

Adipositas-Anstieg bei jüngeren Mädchen und älteren Jungen

Bei den Grundschülern stiegen die Adipositas-Zahlen 2021 im Vergleich zum Vor-Pandemiezeitraum bei den Mädchen um knapp ein Drittel an, wohingegen sie bei den Jungen um 37 Prozent zurückgingen. Das Gegenteil ließ sich bei den Jugendlichen beobachten: So nahmen bei den 15- bis 17-jährigen Jungen die Neuerkrankungen um 54 Prozent zu, während sie bei den Mädchen um 14 Prozent sanken. Prof. Roessner sieht auch hier die Ursache in generell rückläufigen Arztbesuchen während der Pandemie und berichtet: „Bis heute sind Behandlungsansätze bei Adipositas von Kindern und Jugendlichen – auch nach kurzfristigen Erfolgen – selten von anhaltendem Erfolg gekrönt. Wir haben über die Prävention hinaus dringenden Handlungsbedarf. Die im Frühjahr begonnene konzertierte Aktion mit Beteiligung der Kinder- und Jugendärzte sowie der Kinder- und Jugendpsychiater müssen wir nutzen, um auch bei diesem Thema neue, effektive Behandlungsmethoden zu entwickeln.“

Weniger Arztbesuche, Medikamente und Krankenhausaufenthalte

Im Vergleich zu 2019 gingen 2021 Arztbesuche um acht Prozent und Krankenhausaufenthalte um 19 Prozent zurück. Besonders groß fielen die Rückgänge bei Infektionskrankheiten (minus 39 Prozent) und Atemwegserkrankungen (minus 24 Prozent) aus. 2021 bekamen auch neun Prozent weniger Kinder- und Jugendliche Arzneimittel als in der Vor-Corona-Zeit verschrieben. Die Zahl der verordneten Antibiotika sank um 45 Prozent, die der Reserveantibiotika gar um 49 Prozent.

Die DAK-Gesundheit ist mit 5,5 Millionen Versicherten, davon mehr als 150.000 in Sachsen, die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit.

*In den Gesprächen des offenen Werkstattformates sind relevante Akteure Sachsens verbunden, um die Kinder- und Jugendgesundheit stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen und Leitplanken für konkrete Maßnahmen der Politik und Institutionen zu erarbeiten.

Beteiligt sind bislang:

  • Kinder- und Jugendbeauftragte der Sächsischen Staatsregierung, Sächsisches Staatsministerium für Soziales
  • Sächsisches Staatsministerium für Kultus
  • Universitätsklinika Dresden und Leipzig
  • Sächsische Landesärztekammer
  • Kassenärztliche Vereinigung Sachsen
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte
  • Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer
  • Öffentlicher Gesundheitsdienst
  • Landeskoordinierungsstelle Medizinischer Kinderschutz
  • Psychosozialer Trägerverein Sachsen
  • DAK-Gesundheit

Kontakt:

Stefan Wandel

DAK-Gesundheit
Pressesprecher Sachsen und Bayern 
Freiberger Str. 37, 01067 Dresden
Haidenauplatz 3, 81667 München
Tel. 089 90901981128, Mobil 0160 5320898
 stefan.wandel@dak.de
 www.dak.de/presse
More stories: DAK-Gesundheit
More stories: DAK-Gesundheit