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Viel Lärm um eine kleine Pause¶

Bielefeld (ots)

Gleichberechtigung und geschlechtergerechte Sprache¶

Viel Lärm um eine kleine Pause¶

Florian Pfitzner¶

Zu Beginn meiner Studienzeit habe ich zum ersten Mal von "Genderstudies" gehört. Auf meine Frage, was damit genau gemeint sei, spöttelte ein Kommilitone: "Emanzen-Gedöns" - solle ich gleich wieder vergessen. Man kann nicht behaupten, dass das historische Seminar der Uni Hannover Mitte der Nullerjahre sonderlich progressiv gewesen ist.

Inzwischen begrüßt das Haus auf seiner Homepage interessierte "Studierende" und "Bürger*innen". Frauen sitzen nicht nur in Vorzimmern, sondern auch im Vorstand des Instituts, und selbstverständlich werden in den Fachgebieten neue Forschungsprojekte zur Geschlechtergerechtigkeit aufgelistet.

Wer heute noch ernsthaft über Chancengleichheit spottet, ist im Geiste irgendwo in der alten Bundesrepublik stehengeblieben. Um nicht in diesen Verdacht zu geraten, argumentieren einige Leute wie Friedrich Merz, der sich bislang nicht gerade als Kämpfer für die Gleichberechtigung hervorgetan hat und der sagt: "Wenn ich wirklich ein Frauenproblem hätte, wie manche sagen, dann hätte mir meine Töchter längst die Gelbe Karte gezeigt - und meine Frau hätte mich nicht vor 40 Jahren geheiratet."

Ob und inwiefern sich Geschlechtergerechtigkeit nun auf geschriebene und gesprochene Sprache niederschlagen sollte, ist dagegen eine Frage, über die es sich zu streiten lohnt. In Tageszeitungen und Fernsehsendungen ist man zuletzt experimentierfreudig geworden. Man liest und hört mal die männliche und die weibliche Form, mal das Gendersternchen.

Gesprochen klingt es wie eine kleine Pause zwischen dem Wortstamm und der Endung: Leser - Pause - innen. Eine Pause, die einige Leute ziemlich aufregt.

Natürlich kann man fragen, was das soll. Es ist ja längst nicht nur der "alte weiße Mann", der sich vor lauter Blindheit für die eigenen Privilegien an geschlechtergerechter Sprache stört. Und nicht jeder Kritiker, nicht jede Kritikerin sieht in dem stimmlosen glottalen Plosiv, so heißt das Phänomen korrekt, einen linguistischen Kreuzzug.

Einige stoßen sich lediglich aus pragmatischen oder ästhetischen Gründen an der kleinen Pause zwischen Wortstamm und Endung. Wird denn nicht jeder Mensch mitgedacht, wenn man nur den Leser anspricht oder den Studenten oder den Politiker?

Ich finde, nein. Obwohl ich bisher auf das Gendersternchen verzichtet habe. Es wäre aus meiner Sicht ein Anfang, wenigstens zwei Geschlechter, das männliche und das weibliche, zu nennen, liebe Leserinnen und Leser.

So viel Zeit muss sein.

Pressekontakt:

Neue Westfälische
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Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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