All Stories
Follow
Subscribe to Westfalenpost

Westfalenpost

Westfalenpost: Die Türkei droht weiter abzudriften

Hagen (ots)

Das Unberechenbare greift Raum in unserer Welt. Während wir weit über Frankreich hinaus noch um die mindestens 84 Toten trauern, die ein bis dahin nicht gekannter, perfider Terror-Anschlag forderte, schlägt in der Türkei ein Putschversuch fehl. Der ebenso dilettantische wie rasch beendete Aufstand gegen den mit Allmachtsphantasien ausgestatteten türkischen Präsidenten durch Teile des Militärs könnte am Ende das Gegenteil bewirken. Sämtliche Parteien sowie große Teile der türkischen Bevölkerung verurteilten diesen Anschlag auf die Demokratie. Politik des eisernen Besens Erdogan spielt das in die Karten. Er hatte die Menschen in der Nacht aufgerufen, auf die Straße zu gehen. Tausende waren diesem Ruf gefolgt und hatten sich den Panzern in den Weg gestellt. Deshalb wird der autokratische Präsident die Ereignisse der Freitagnacht nutzen, um seine Macht weiter auszubauen. Wie seine Politik des eisernen Besens aussieht, lässt sich am Beispiel der 2700 Richter erahnen, die er innerhalb weniger Stunden ohne weitere Begründung außer Dienst stellen ließ. Welche Auswirkungen der untaugliche Putschversuch auf die Flüchtlingspolitik haben wird, lässt sich noch nicht zuverlässig absehen. Zu befürchten ist, dass der Nato-Partner Türkei die rechtsstaatlichen und demokratischen Prinzipien dieser Verteidigungs- und Wertegemeinschaft weiter beschneidet. Jedenfalls brachte Ministerpräsident Yildirim sogar die Wiedereinführung der Todesstrafe in Gespräch. Erdogan, der von dunklen Mächten spricht, vermutet Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fetullah Gülen als Drahtzieher des Putsches. Die Unzufriedenheit bleibt Der Machtkampf in der Türkei muss Europa tief besorgen. Er schürt die Angst, dass die Bürgerrechte dort weiter beschnitten und kritische Stimmen systematisch mundtot gemacht werden. Der niedergeschlagene Aufstand macht deutlich, wie groß die Unzufriedenheit zumindest innerhalb des Militärs ist. Unter dem Strich driftet die Türkei weiter ab vom europäischen Kurs. Ob sie als zuverlässiger Partner innerhalb der Flüchtlingskrise taugt, ist fraglicher denn je. Vermutlich hat der sinnlose Freitags-Putsch die Welt noch ein Stück unberechenbarer gemacht.

Pressekontakt:

Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

Original content of: Westfalenpost, transmitted by news aktuell

More stories: Westfalenpost
More stories: Westfalenpost
  • 15.07.2016 – 20:54

    Westfalenpost: NRW entsendet 105 Olympioniken

    Hagen (ots) - Hagen. Ein Viertel der deutschen Mannschaft, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro an den Start geht, kommt nach einem Bericht der in Hagen erscheinenden WESTFALENPOST (Samstagausgabe)aus NRW. "Unser Land stellt 105 der 425 Athletinnen und Athleten", sagte Sportministerin Christina Kampmann (SPD) der Zeitung, "das ist immerhin ein Viertel." Bemerkenswert sei, dass die Sportler aus NRW in 20 von ...

  • 14.07.2016 – 20:53

    Westfalenpost: Kommentar zu Krankenkassenbeiträgen: Mehr Therapiedisziplin

    Hagen (ots) - Der Krankheitsverlauf war längst absehbar, man hat die Prognose in den guten Tagen nur allzu gern verdrängt. Vor zwei Jahren noch war die Kassenlage nämlich so gut, dass die gesetzlichen Versicherungen ihren Mitgliedern noch Prämien auszahlen konnten. Doch bereits in diesem Jahr sind die Zusatzbeiträge für viele Arbeitnehmer gestiegen - und sie ...

  • 13.07.2016 – 19:42

    Westfalenpost: Kommunalverwaltungen

    Hagen (ots) - Es ist ein alter Hut. Der Fachkräftemangel wird Kommunalverwaltungen hart treffen. Davor warnen Beamtenbund und Gemeinden seit vielen Jahren. Hören wollte niemand darauf, denn in Zeiten leerer Haushaltskassen gilt das Sparen als höchste Tugend. Also haben Städte darauf verzichtet Nachwuchs auszubilden, junge Leute fest anzustellen. Mit der Folge, dass in wenigen Jahren mancherorts jeder zweite ...